Perth/Fremantle und Umgebung (Bericht 2)

Noch keine zwei Tage in Australien und schon haben wir Papi fast verloren und wir sind auch bereits dem ersten wilden Tier - wenn auch nur einem ganz kleinen - begegnet. Wie wilde Tiere kamen uns auch die Fussballspieler vor, die nach den Australischen Regeln spielen - wir waren gleich Fans von dieser körperbetonten Sportart und unterstützten die lokalen Mannschaft inkl. Fan-Schal in unserem Stamm-Pub. Der Finanzminister aka Papi musste noch mit einer funktionierenden Kreditkarte ausgestattet werden, bevor er seine Aufgabe wahr nehmen konnte. Wir haben also trotz dem geplanten ruhigen Start in Australien schon einige Aufregungen erlebt.



Mittwoch, 7. September – endlich ab nach Down Under

Frank, der zusammen mit seiner Frau Silvia ab Oktober in meiner Wohnung leben wird, da ihre Wohnung renoviert wird, bringt mich mit dem Auto zum Flughafen (Danke Frank!). Meine Eltern (MaPa) sind bereits vor Ort und meine Schwester Renate stellt sicher, dass bei den beiden keine Nervosität aufkommt. Mami ist 68 Jahre alt und Papi 73. Beide noch topfit, jedoch bis auf die wenigen internationalen Reisen mit mir doch eher unerfahren in Sachen Reisen mit dem Flugzeug. Das Check-in verläuft ohne Probleme, denn die erlaubten 30 kg bringt keines der Gepäckstücke auf die Waage. Wir können uns als noch gemütlich in der Byebye-Bar von Renate verabschieden, bevor es dann in die Handgepäck-Kontrolle und durch den Zoll geht.

Der 12-stündige Flug mit Singapore Airlines von Zürich nach Singapore verläuft ohne nennenswerten Zwischenfälle - alle zwei Stunden mache ich im Gang vor den Toiletten meine Übungen, so dass mein Hexenschuss-geplagter Rücken mir nicht noch mehr Stromstösse durch den Körper jagt. Ein paar wenige Stunden schlafe ich sogar.


Donnerstag, 8. September - Papi schon fast verloren

In Singapore haben wir ungefähr 3 1/2 Stunden Aufenthalt, bevor es auf den knapp 5-stündigen Flug nach Perth geht. Auch dieser Flug ist wieder sehr ruhig und wir verschlafen fast den gesamten Flug - trotz einem starken und unappetitlichen Schnarchler direkt in der Reihe hinter uns. Ich mache mir schon etwas Sorgen, ob die Tages-Schlaf-Strategie uns wohl einen krassen Jetlag beschert. Aber wir sind alle fix und fertig, so dass wir uns gegen den Schlaf nicht wehren können.

Die Passkontrolle geht fix, da wir unsere Pässe selbstständig einscannen können. Uff, somit ist also alles in Ordnung mit den Visas. Nur noch der Zoll und dann sind wir in Down Under eingereist - doch oha, die Schlange vor dem Zoll ist ziemlich lang. Das vorgeschriebene Formular haben wir bereits im Flieger ausgefüllt und alle Fragen richtig beantwortet, sprich alles mit "Nein". Nein, wir haben keine Nüsse, Gewürze oder Pflanzen dabei. Nein, wir haben keine Hepatitis, Geschlechtskrankheiten usw. Nein, wir haben auch kein Vorstrafenregister. Also dachte ich, dass wir durch die Kontrolle nur so durchflutschen. Weit gefehlt, wir wurden in die Linie "Kontrolle" gewiesen. Hmm, wir haben nichts Verdächtiges dabei ... was kann uns schon passieren. Ich frage MaPa noch, was sie denn so an Nahrungsmittel dabeihaben und Mami meinte frisch fröhlich: "Teebeutel." "Teebeutel mit diesen frischen Kräutern drin?" "Ja, genau diese." Also das kann nun doch etwas kritisch werden. Unser ganzes Gepäck geht durch die Röntgen-Apparate und die Zollbeamtin pickte drei Gepäckstücke heraus, die sie etwas genauer anschauen möchte. Wir nehmen also die anderen drei Gepäckstücke vom Band. Mamis Gepäck bleibt hängen. Dann geht die Beamtin wieder zurück an den Bildschirm und plötzlich möchte sie nur noch meinen Koffer genauer anschauen, der eigentlich bereits vom Band weg war. Sie fragt mich, ob ich auf dem Formular alles verstanden habe und ob was Gefährliches im Koffer sein könnte, woran sie sich bei der genaueren Kontrolle schneiden könnte. Dann musste ich den Koffer öffnen und sie durchsuchte den Koffer ... etwa drei Sekunden lang und schon konnte ich ihn wieder schliessen und wir sind durch den Zoll. Uff! Wir sind in Australien! Juhuii!!!

Wir suchen uns ein Taxi aus der Warteschlange, das unsere drei Koffer transportieren kann. Um uns den relaxten Einstieg in Australien zu erleichtern, haben wir uns für ein paar ruhige Tage in Fremantle, einem zwar touristischen und doch verschlafenen Ort, entschieden. Der Preis-Check ergibt einen Preis von AUD 80.- (ca. CHF 57.-) ... etwas teurer als im Internet angegeben, nämlich AUD 60.-. Anyway, der asiatische Taxifahrer fährt eh mit Taxi-Meter und ich hoffe mal, dass es dann etwas günstiger wird. Und schon sind wir auf dem Weg nach Fremantle, dem kleinen gemütlichen Ort direkt am Meer und ganz in der Nähe von Perth ... mit dem Schnecken-Taxi. Wir sind immer auf der langsamsten Spur, schaffen es immer so, dass grad vor uns die Ampel auf Rot schaltet und so bringt der Taxifahrer fast eine Punktlandung hin … auf seinen Preis: AUD 79.-.

Unsere historische Unterkunft, die ich via AirBnB vorab buchte, ist einmalig und einfach wunderschön. Ein über 150 Jahre altes Reihenhäuschen, das sich mitten im historischen Zentrum von Fremantle befindet, unmittelbar neben der Markthalle. Im 2019 wurde das Haus, das vor über 150 Jahren von Gefangenen für die Gefängniswärter gebaut wurde, ausgehöhlt und wunderschön restauriert. Im Parterre befindet sich neben einer modernen Küche, ein kleines Wohnzimmer mit einem Cheminée, einem Yoga-Raum, den wir als Gepäckraum missbrauchten sowie ein schönes geräumiges Bad mit Waschmaschine und Tumbler. Vor dem Haus eine schöne Veranda und hinter dem Haus ein grosser Garten mit Sitzmöglichkeiten. Im ersten Stock dann die beiden Schlafzimmer und noch einmal ein geräumiges modernes Bad, das ganz in schwarz-weiss gehalten ist. Wow, wir fühlten uns sofort sauwohl in diesem Haus.

Nach einer wohltuenden Dusche geht es schon auf die "Leutsch". Entlang der Hauptstrasse säumen sich Shops und Restaurants. Jedoch fiel mir auf, dass doch einige Lokale leer sind … die Corona-Krise hat wohl einige Wirtschaftsopfer gefordert. Das alte Gebäude des Hotel National hat uns direkt angesprochen – es befindet sich auch ein Pub im Hause und draussen ein paar Tische. Wir entschlossen uns draussen auf die gute Anreise anzustossen. Es war ziemlich frisch und Mami vergass ihre warme Daunen-Jacke. Papi ganz Gentleman macht sich sofort auf die Socken, um die Jacke zu holen. Ich rufe ihm noch nach, ob er das Telefon dabeihabe. Man weiss ja nie. Nach ca. 10 Minuten dachte ich, dass Papi langsam wieder auftauchen sollte. Plötzlich ruft Mami: "Weshalb läuft jetzt Papi wie von der Tarantel gestochen am Pub vorbei?" Ich machte mich auf um ihn einzuholen. Ich sehe sofort, dass er die Jacke von Mami nicht dabeihat und kombiniere, dass er unser zu Hause nicht gefunden hat und dann auch uns nicht mehr fand. Ich musste Tränen lachen, da ich sah, dass Mami sich immer noch mit dem Gedanken befasste, dass Papi uns fast nicht gefunden hat und noch nicht bemerkte, dass die Jacke auch noch fehlte. Ich machte mich dann sofort auf zu unserem Haus um die Jacke zu holen.

Später machen wir uns noch in eine Pizzeria, wo wir uns ein ziemlich unspektakuläres Abendessen gönnen, bevor es dann nach Hause ging und ich gespannt bin auf die bevorstehende Nacht - Stichwort "Jetlag".


Freitag, 9. September - ein Finanzminister ohne funktionierende Kreditkarte

Wow, mit einem Unterbruch von nur einer Stunde habe ich über 10 Stunden geschlafen und auch MaPa machen einen erholten Eindruck. An diesem Morgen erfahren wir, dass Queen Elisabeth das Zeitliche gesegnet hat - die Fahnen wurden in ganz Australien auf Halbmast gesetzt, da das Land zum Commonwealth gehört.

Wir schlendern in der über 150 Jahre alten Markthalle herum und gönnen uns einen frischen Orangensaft resp. einen feinen Kaffee.

Papi hat auf unseren Reisen wie immer die Funktion des Finanzministers inne. Wir haben auf seinem Revolut-Konto entsprechend Geld deponiert. Jedoch funktioniert seine Karte ausser beim Bankomaten nirgendwo. Die Karten von Mami und von mir funktionieren einwandfrei. Hmm, da ist guter Rat teuer. Ich hänge mich also in den Chat mit Revolut und nach fast drei Stunden und sieben (7!) verschiedenen Chat-Partner finden wir heraus, dass er eine Maestro Card anstatt eine Kreditkarte hat. Mann-o-mann ... zum Glück finden wir doch noch eine Lösung, so dass er nun mit seiner virtuellen Revolut-Kreditkarte mittels Handy bezahlen kann. Ende gut, alles gut. Während ich stundenlang auf der vorderen Veranda im Chat hing, wurden wir fast vor unserem Haus noch Zeugen von einer Verhaftung. Ein Autofahrer stellt sich vor den Parkplätzen quer und hupt minutenlang … immer und immer wieder … ohne jeglichen Sinn, denn freie Parkplätze hat es eigentlich genug. Wir können nicht erkennen, was genau das Problem ist. Irgendwann kommen zwei Polizisten und sprachen den Mann an, der dann das Auto verlassen muss und schlussendlich sogar die Handschellen klicken. Ev. war der Mann auf Drogen oder hat anderweitige Probleme.

Gegen Abend laufen wir zum Meer hinunter, wo wir den Sonnenuntergang sowie das älteste Gebäude von West-Australien (Round-House) bestaunen. Das Abendessen nehmen wir in der Little Creatures Brewery ein, in einem modernen Industrie-Gebäude, wo sich eine grosse lokale Brauerei befindet. Wir gönnen uns mit Käse überbackene Nachos und einen Burger. Das Highlight war jedoch die Begegnung mit dem ersten wilden Tier in Australien: einer hauslosen Schnecke, die entlang meinem Bierglas hoch wanderte. :-) Zum Glück habe ich schon fast ausgetrunken.

Es ist bis jetzt kälter als gedacht, jedenfalls bin ich super froh, dass ich meine Winter-Daunen-Jacke mit dabeihabe. Auf dem Heimweg machen wir noch einen Schlummi-Halt im National-Pub. Dabei wird auf dem grossen Bildschirm Fussball nach australischen Regeln gezeigt. Das Spiel wird auf einem ovalen Feld ausgetragen, man kann den Rugby-Ball mit den Füssen schlagen oder auch per Hand werfen und man darf sich raufen soviel man will … jedenfalls macht es den Anschein. Eine knallharte und intensive Sportart. Wir erfahren dann auch, dass die lokale Mannschaft «Fremantle Dockers» morgen im Saison-Halbfinal spielen und das ein grosser Tag für die einheimischen Fans ist. Okay, das lassen wir uns nicht entgehen!


Samstag, 10. September – die neusten Fans von Fremantle Dockers

Nach dem gemütlichen Morgenessen in unserem Garten geht es mit dem Zug und aufgrund einer Gleisbaustelle mit dem Ersatzbus nach Perth zum Shopping resp. ein paar Besorgungen tätigen. Wir wollen uns unter anderem eine SIM-Karte für unsere Reise besorgen, so dass wir nicht nur auf die WiFi auf den Campingplätzen angewiesen sind. Doch wir haben alle den Pass vergessen und so können wir diesen Punkt auf unserer Einkaufsliste noch nicht abhaken.

Zum Football mit den Fremantle Dockers (gegen eine Mannschaft von Melbourne) sind wir pünktlich in unserem Stamm-Pub National wieder zurück in Fremantle. Natürlich eingedeckt mit einem Fan-Schal. Mit dem einheimischen Scott teilten wir uns den Stehtisch. Wir stellen uns Scott vor und Papi sagte mit starker Stimme: «Hi, I am Mike.» Mike? Mein Papi heisst eigentlich Melchior. Als ich ihn darauf ansprach meinte er, dass ich ihm mal vorgeschlagen habe, dass er sich mit einem einfacheren Namen vorstellen soll, da Name «Melchior» in der

südlichen Hemisphäre eher unbekannt sei und dieser sich niemand merken kann. Dabei hat er sich wohl «Mike» ausgedacht. So lustig! Leider waren die Dockers schon sehr rasch im Rückstand und der Rückstand wurde immer grösser. Schlussendlich hiess es 79 zu 59 für die Mannschaft aus Melbourne und die erhoffte Party blieb aus. Wir gönnten uns im Pub noch ein feines Abendessen - Burgers.

Danach geht es noch auf einen Verdauungsspaziergang zum Convict-Gefängnis, das schön beleuchtet ist. Das von Strafdeportierten Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute festungsartige Gebäude diente bis 1991 (!) als Hochsicherheitsgefängnis.

Sonntag, 11. September - Faulenzertag

Das Frühstück bereitet Papi wie jeden Tag für uns Frauen – wenn es das Wetter zulässt – im Garten vor. Heute gönnen wir uns einen faulen Tag. Wir waschen die Wäsche, hängen etwas herum und geniessen unsere schöne Unterkunft. Später laufen wir zum Meer, doch dieses bekommen wir kaum zu Gesicht, da ein grosser Teil der Küste mit Industriegebäuden und Bootsparkplätzen verbaut ist. Das Abendessen geniessen wir in einem schönen Openair-Lokal, jedoch ist die Musik so laut, dass wir kaum unser eigenes Wort verstehen.


Montag, 12. September - Ausflug zu den kleinsten Kängurus der Welt

Für einmal heisst es früh aufstehen. Bereits um kurz vor acht machen Mami und ich unsere Turnübungen im Bett (mein Hexenschuss lässt grüssen). Das Morgenessen nehmen wir auf der hinteren Veranda ein, da es im Garten ziemlich zieht. Danach geht es zum Telstra-Shop, dem führenden Telekommunikations-Anbieter in Australien. Wie bereits erwähnt möchten wir uns eine Internet-SIM-Karte kaufen, so dass wir auch in abgelegenen Orten am Nabel der Welt hängen und auch dann von unserer Reise berichten können. Die etwas unfreundliche Verkäuferin übergab uns die SIM-Karte für unser Handy, das wir extra dafür mitgenommen haben, mit dem Hinweis, dass unser Handy mit der Internet-SIM-Karte ev. nicht funktioniert ... weshalb kann sie uns aber nicht erklären. In 24 Stunden, nach der Aktivierung wissen wir dann Bescheid.

Nun geht es ab zur Fähre nach Rottnest Island, die wir per Internet vorgebucht haben, da die Fähre um 10.00 Uhr bereits ausgebucht war. Weshalb gehen an einem gewöhnlichen Montagmorgen so viele Leute auf die Fähre?. Sind doch schon mehr Touristen unterwegs als wir dachten?

Wir mieten uns einfache 7-Gang-Fahrräder, mit denen wir die Insel umrunden. In der ersten Tageshälfte haben wir noch fantastisches Wetter, so dass ich erstmals die langen Jeans-Hosen gegen kurze Hosen tausche und wir es sogar bereuen, dass wir die Badesachen nicht mit dabeihaben. Die weissen Sandstrände und das türkisblaue Wasser laden zum Baden ein. Wir radeln insgesamt über 20 km ab und steuern dabei auch noch den Leuchtturm mitten auf der Insel an, wo wir unser Picknick einnehmen.

Die Tierwelt zeigt sich in voller Pracht: als erstes entdeckt Mami eine schwarze ca. 30 cm lange Echse, danach überquert eine Schlange unmittelbar vor Mamis Fahrrad die Strasse und am Schluss bewundern wir noch die herzigen Quokkas, nur etwa 30 cm kleine Beuteltiere. Eines sogar mit einem Baby im Beutel. Jöööhhhh!

Kurz vor dem starken Regen schaffen wir es zurück in die Velomietstation.

Auf der Rückreise mit der Fähre setzen wir uns an einem Tisch mit drei australischen Frauen. Sie spielen UNO und Mami, unsere begeisterte Kartenspielerin, «spienzelte» das Spiel aus. Die Frauen laden Mami dann ein mit ihnen mitzuspielen, was sie natürlich sehr freut. So offen sind die Aussies!


Auf dem Rückweg zur Unterkunft machen wir noch einmal halt beim Telstra-Shop, da ich einfach nicht checke, wie diese Internet-Karte funktioniert. Wir erwischten wieder diese unfreundliche Verkäuferin, die sicherlich innerlich die Augen verdrehte, als sie uns wieder in den Shop laufen sieht. Doch schlussendlich funktioniert irgendwie die Internetverbindung. Mal schauen, ob es dann auf der Reise auch funzt.

Das Abendessen nahmen wir im italienischen Restaurant Capri ein, das von zwei älteren, ev. italienisch abstammenden Frauen geführt wird und während unseres ganzen Aufenthaltes in Fremantle immer gut besucht war. Mamma Mia, das hat sich definitiv gelohnt – einfach fantastisches italienisches Essen. Die Flasche Wein haben wir aus dem Bottle Shop vis-à-vis selber mitgebracht, da das Restaurant nicht lizenziert ist (das gibt es öfters in Australien). Dafür bezahlt man ein Mini-Entgelt von AUS 2.- (CHF 1.30) an das Restaurant.

Unsere letzte Nacht in unserer schönen Unterkunft in Fremantle, bevor am nächsten Tag das Camperleben beginnt.



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