Exmouth, Tom Price, Karijini Nationalpark, Port Hedland (Bericht 4)

Genau deshalb liebe ich die Westküste so sehr: megagigageile schöne Natur! Jede Schlucht, jeder Strand, jede Ebene, jeder Hügel einmalig und die Farben intensiv – schneeweisse Strände, türkisblaues Wasser, tiefrote Erde, gestreifte Felsen, blauer Himmel, blütenweisse Wolken. Um die spannenden Naturplätze zu erreichen, sind wir viel gewandert. Doch wir geniessen auch die Zivilisation: Ein Pub-Besuch in einer Minenstadt gehört natürlich dazu.


EXMOUTH

Montag, 26. September 2022

Fahrt: Carnarvon nach Exmouth (422 km)

Wo ist bloss meine Brille? Manno, sie ist nicht mehr auffindbar, dabei lege ich sie doch immer in das Körbchen über dem Kühlschrank! Ich wühle im Körbchen herum und schwups fällt eine Feile und ein Kugelschreiber hinter den Kühlschrank. Ou mann, kann es sein, dass meine Brille auch in den Spalt gefallen ist? Sehr ärgerlich … ich setze mich an den Frühstückstisch, für den Papi jeden Morgen zuständig ist. Grübel, grübel, wann habe ich die Brille das letzte Mal getragen? Ev. gestern Abend, auf der Toilette, als ich mir das Gesicht gewaschen habe? Wie vom Donner getroffen laufe ich zur Rezeption, um zu fragen, ob ev. jemand die Brille gefunden hat. Die freundliche Rezeptionistin zauberte die Brille bei meiner Nachfrage hinter dem Tresen hervor. Juhuuiii, sie ist wieder da! Wie kann man bloss so schusselig sein? MaPa tauschen wieder Blicke aus: "Tyyyyypisch Cönnchen!" "Ja, ja …"

Schon sind wir wieder unterwegs. Heute noch einmal eine Monsteretappe. Nachdem ich etwa zehnmal an den Campingplatz in Exmouth ganz in der Nähe des Nationalparkes geschrieben habe, fand man schlussendlich doch noch ein freies stromloses Plätzchen für uns. Für die Mittagspause verlassen wir kurz unsere Direktroute und machen einen Halt in Coral Bay. Eigentlich stand Coral Bay auf unserer Reiseplanung, aber aufgrund der Probleme mit dem Buchen von Campingplätzen flog die Destination kurzerhand raus. Beim Anblick der wunderschönen Bucht bereue ich es etwas. Nach dem Mittagessen begeben wir uns zum Meer. Im glasklaren Wasser können wir die grossen Fische wie in einem Aquarium sehen. Einfach fantastisch! Viele sind am Schnorcheln, das Ningaloo-Riff kommt hier praktisch direkt an den Strand.

Entlang vom Strassenrand tauchen plötzlich so komische, hellbraune, 50 cm bis 2 m grosse Hügel auf. Das sind Termitenhügel, die ich noch von meinen früheren Reisen her kenne. Verteilt über die Landschaft bauen sich die Termiten ihr zu Hause.

In Exmouth machen wir in einem Tauchladen einen kurzen Zwischenstopp, damit ich mir das günstigste Modell einer Tauchbrille und Schnorchel kaufen kann … denn das Ningaloo Riff zieht sich bis in den Marine Nationalpark, den wir in den nächsten Tagen besuchen und ich möchte auch die Unterwasserwelt sehen.

Der Yardie Campingplatz, wo wir die nächsten drei Tage verbingen werden, liegt ca. 40 km ausserhalb von Exmouth, kurz vor den Toren des Nationalparkes, inmitten des nirgendwo. Viele australische Familien haben sich hier während den zwei Schulferienwochen mit ihren Anhängern und 4x4-Fahrzeugen niedergelassen. Die Anhänger, aus denen sich regelrechte Camping-Luxus-Ausstattungen inkl. Schlafplätze, Vordach, voll ausgestattete Küche usw. hervorzaubern lassen, sind die erste Wahl der Australier, wenn es zum Campen geht. Wenige ziehen ihren 4x4-tauglichen Wohnwagen hinterher und die Touristen kommen hauptsächlich mit Wohnmobilen daher.

Unser grosszügiger Platz befindet sich ganz am Rand des Campingplatzes – mit Sicht in die Prärie. Aufgrund des starken Windes müssen wir unser Abendessen im Camper einnehmen. Auf dem Weg zum Abwasch sehen wir ausserhalb des Zaunes unseren ersten Dingo – ein Wildhund, der bereits seit über 3500 Jahren in Australien heimisch ist und nicht etwa von streunenden von Europäern mitgebrachten Hunden abstammt. Ein weiteres Wildtier in unserer Sammlung!


Dienstag, 27. September 2022

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es in den Cape Range Nationalpark, der vom grössten Saumriff der Welt, dem Ningaloo Marinepark gesäumt wird. Am Parkeingang kaufen wir uns gleich einen 5-Tagespass. Im gekühlten (ah, tut das gut) Visitor Center holen wir uns einen Plan ab, der uns alle Strände und Wanderwege aufzeigt. Die supernette Frau informiert mich noch über die Schnorchelstellen und legt mir ans Herz aufgrund der Strömungen immer mit Flossen zu schnorcheln, also miete ich für zwei Tagen noch Flossen.

Wir fahren bis ans Ende der geteerten Strasse zum Yardie Creek. In unserem vier Jahre alten Reiseführer habe ich gesehen, dass um 11.00 Uhr jeweils ein Boot in die Schlucht fährt, und wir haben Glück. Einerseits weil das Boot tatsächlich um diese Zeit fährt und anderseits es trotz Schulferien und ohne Vorreservation noch drei Plätze für uns hat. Der deutschstämmige Bootscaptain ist sehr unterhaltsam und erklärt einige historische Hintergründe der Region. In der Schlucht deutet er Felsen auf einen Punkt und meint: «Da ist schon das erste Wallaby zu sehen.» Hä, wo? Ein Känguru? Jööööh, so munzig! Da muss man wirklich genau hinschauen, da diese Mini-Kängurus mit dem braunrötlichen Felshintergrund praktisch verschmelzen. Oha, da hängen in einem kleinen Baum sicherlich über 100 ca. 30 cm grosse Flughunde (Fledermäuse), die zwar schlafen aber trotzdem komische Geräusche von sich geben. Ob die schnarchen? 😊 Wir sehen wiederum ein Seeadlernest und noch ein paar Vögel … Vögel sind ehrlich gesagt nicht so mein Ding ... Wir fahren bis ans Ende der Schlucht, die sich ein paar Mal windet und die Felsstrukturen und Farben sind einfach einmalig. Die kurzweilige Tour endet nach 1 ½ Stunden und danach machen wir uns zu Fuss entlang der Kante der Schlucht bis ans Ende.

Zuerst laufen wir zu einem kleinen Aussichtspunkt und Papi und ich nähern uns noch dem Flughund-Baum, um diesen zu fotografieren. Plötzlich ist Mami wie vom Erdboden verschluckt. Wo ist Mami? «Mami? Maaaami? Maaaaaam!!!!!!» «Ja, da bin ich.» kommt die Antwort nach dem dritten und schon fast etwas panischem Rufen zurück. Manno … oder eher gesagt Frauo! Sie ist bereits voraus gegangen und mit ihrem graue-Maus-Outfit ist sie praktisch mit dem Hintergrund verschmolzen. Der Wildfrühling ist auch hier angekommen und wir laufen immer wieder entlang von blühenden Sträuchern und Blumen, die in der trockenen tiefroten Erde verankert sind. Mit zwei, drei kleinen Kletterstellen ist der Walk einfach, jedoch brennt uns die Sonne schon ziemlich auf die Birne.

Auf der Karte wähle ich aus den über 20 Stränden den Sandy-Beach für unseren Mittagshalt aus. Wooow, da habe ich aber ein gutes Händchen bewiesen – eine absolute Traumbucht mit schneeweissem Sand und türkisblauem glasklarem Wasser und dazu noch ein blauer wolkenloser Himmel. Es gibt zwei Tische und Bänke mit schattenspenden Dächern, wo wir mit der einmaligen Aussicht auf die Bucht picknicken. Zur Abkühlung, das Wasser ist etwa 21° kalt, geniessen wir das Bad im Meer. Einfach herrlich!

Wir fahren noch an die Turquoise Bay und wie es der Name schon sagt – türkisblaues Wasser. Hier kommt das Riff fast bis an den Strand. Also montiere ich meine Tauchbrille, den Schnorchel sowie die Flossen und raus geht es ins Meer … aber nur etwa 50 m vom Strand entfernt … so ganz alleine schnorcheln … ich bin da ein kleiner «Scheisshase». Ich sehe absolut nichts … naja, ein paar Fische, aber die schwimmen keine fünf Meter vom Strand entfernt und hätte ich mir auch ohne Schnorchel ansehen können. 😊

Zur Feier des Tages wird heute grilliert und wir gönnen uns ein Glas Wein. Heute Abend machten wir einen Fehler: Wir haben die Schiebetür des Campers offengelassen während wir Licht im Innern hatten. Oh, was für ein Schlamassel … lauter Falter, Fliegen und Mücken im Camper. Papi ging auf Insektenjagd und nach der schweisstreibenden Jagd hat er alle Viecher aus dem Camper gejagt und wir konnten ohne «gesurre» schlafen.


Mittwoch, 28. September 2022

Das Frühstück genossen wir heute unter dem Baum des Nachbar-Platzes, der heute frei ist. Plötzlich entdeckt Mami auf einem Baum eine zwar relativ kleine Echse, aber mit einem langen Schwanz, der etwa die Körperlänge um das doppelte überragte. Oha, da steht ennet dem Zaun ein Emu, das bei einem für Wildtiere zur Verfügung stehenden Wasserkübel seinen Durst löscht. So cool!

Wir fahren heute wieder zum Visitor Center um von der dortigen Telefonkabine Anrufe betreffend unserer nächsten Destination zu machen. Wir möchten in den Karijini Nationalpark und bei den beiden zur Verfügung stehenden Campingplätzen wird Online alles als ausgebucht angezeigt – eben Schulferien! Blöd! Ich muss mehrmals probieren und als ich dann endlich jemand erreichte, hiess es, ich muss Online schauen, ob nicht doch plötzlich etwas frei wird. Uff, und das an einem Ort, wo wir kaum Internet haben. Da kann man nichts machen und einfach weiterhin hoffen, dass jemand absagt.

Der Nandu Nandu Rundweg ist etwa 3 km lang und entspricht der Klasse 4 (höchste Klasse ist die 5). Wir laufen mal los und schauen, ob der Weg auch für Mami zu machen ist. Zuerst laufen wir dem ausgetrockneten Flussbett entlang. Der Weg ist mit weissen Pfosten gut markiert. Wir versuchen auch hier ein Wallaby zu sichten und siehe da, da klettert grad eines der Wand entlang. Andere Tiere ausser den langweiligen Vögeln haben wir – vielleicht zum Glück – nicht gesehen. Auf Schlangen möchten wir hier lieber nicht treffen, denn die sind in Australien meist sehr giftig. Es gibt ein paar knifflige Stellen, wo wir auf allen Vieren gehen müssen, die wir aber mit links meistern.

Das abkühlende Bad im Meer haben wir uns mehr als verdient. Wir gehen wieder zurück zu unserem Traumstrand, dem Sandy Beach und kühlen unsere Körper im glasklaren Meer ab. Plötzlich sehen wir noch eine Schildkröte, die ihre Bahnen entlang dem Strand zieht. Jöööh, einfach wunderbar!

Als ich die Flossen im Visitor Center wieder abgebe, rufe ich gleich noch die Betreiber des Glasboden-Boots an um herauszufinden, ob am nächsten Morgen noch drei Plätze frei sind. Die sehr freundliche Jenny muss uns leider mitteilen, dass nur noch zwei Plätze zur Verfügung stehen, aber wir sollen doch am Morgen direkt ans Pier gehen, denn oftmals sagen Leute noch kurzfristig ab.

Am Abend steht auf dem Campingplatz Live-Musik mit einem Aussteiger an. Vor allem seine Erzählungen aus seinem Leben sind spannend – wie er vom Immobilienmakler zum Aussteiger wurde und seine Zeit nun campend quer durch Australien mit seiner jungen Familie geniesst.


ROADHOUSE NANUTARRA

Donnertag, 29. September 2022

Fahrt: Exmouth nach Nanutarra (318 km)

Wir warten hoffnungsvoll auf dem Pier … doch leider tauchen heute alle abenteuerlustigen Leute auf und so hat es nur noch zwei Plätze. Papi überlässt Mami und mir die zwei Plätze – er werde ein bisschen herumwandern und versuchen auf die täglichen 10'000 Schritte zu kommen. «Aber bitte nicht verlaufen, gell!» Im Glasboden-Boot sitzen wir unter dem Meeresspiegel und schauen gespannt aus den abgeschrägten Fenstern auf den Meeresboden. Nach knapp 10 Minuten erreichen wir bereits das Riff und wir sehen die ersten kleineren Fische … und plötzlich schreit die Kindermeute von der anderen Seite: «Hai! Hai! Hai!!!» Sie haben einen Riffhai gesehen – ein für die Menschen ungefährliche Wesen, da relativ klein und Vegetarier … nein, natürlich keine Vegetarier, aber die haben noch nie einen Menschen angegriffen. Jöööh, da fliegt die erste Schildkröte vorbei … äh ich meine, sie schwimmt vorbei, aber es sieht wirklich so aus, als würde sie durch die Lüfte gleiten. Die Fische werden immer farbiger und grösser und die Hartkorallen auch etwas farbiger, wenn auch die vorherrschende Farbe grau ist. Wieder schreit es von der anderen Seite: «Haiiiiii!» Manno, wir haben ihn schon wieder nicht zu Gesicht gekriegt. Nun dürfen wir Schnorcheln gehen und ich hänge mich an die Schnorchel-Leiterin – so kann ich auch entspannt schnorcheln, doch viel mehr als vom Boot aus sehen wir leider nicht.

Papi holt uns wohlbehalten vom Pier ab und nun geht es wieder zurück auf die Strasse in Richtung Karijini Nationalpark, doch vorher stocken wir unsere Alkohol-Vorräte noch in Exmouth auf. Uff, das ist aber grad ziemlich teuer – die Büchse Bier kostet um die CHF 4.-. In diesen abgelegenen Orten kostet alles mehr, da der Lieferweg doch sehr weit ist. Unterwegs regnet es immer wieder … aussergewöhnlich, aber sicherlich ein Segen für die ausgetrocknete Erde in dieser Gegend. Hier sieht man keine Landwirtschaft mehr – nur kleinere Büsche und Pflanzen.

Da die Strecke in den Karijini Nationalpark für eine Tagesfahrt doch sehr lang wäre, müssen wir unterwegs in einem Roadhouse (Raststätte mir Restaurant und Campingplatz) übernachten. Im Roadhouse Nanutarra tummelt sich Kreti und Pleti, das heisst, Roadtrain-Fahrer, Einheimische (Aborigines und Weisse) und Touristen. Wir geniessen ein einfaches Abendessen mit Thai-Food und Burger/Pommes Frites. Burger steht in Australien so ziemlich überall auf der Menükarte – manchmal ist es sogar schwierig was anderes zu kriegen.


TOM PRICE

Freitag, 30. September 2022

Fahrt: Nanutarra nach Tom Price (368 km)

Auf der praktisch verkehrsfreien Strecke grüssen uns die wenigen Verkehrsteilnehmer jeweils mit Handzeichen. Aufgrund der nicht durchgehend geteerten Strecke müssen wir einen Umweg über den Minen-Ort Parabordoo machen, wo wir wieder Internet-Verbindung haben. Da keine positive Antwort aus dem Karijini Nationalpark eingegangen ist, entscheiden wir uns nach Tom Price zu fahren, von wo es nicht mehr weit in den Karijini Nationalpark ist. Papi meinte in einem Nebensatz, dass es noch interessant wäre eine Mine zu besuchen. Ich google kurz und schon poppt eine tägliche Tour auf, die Interessierte in die Tom Price Eisenerz-Mine bringt. Die habe ich für den nächsten Tag gleich gebucht.

In Tom Price nisten wir uns im einzigen Campingplatz ein und begeben uns gleich ins kleine Städtchen, um dieses auszukundschaften. Ausser ein paar Shops (wo wir wieder mal richtiges Brot kaufen können), einem Skater-Park und dem obligaten Sport-Oval (Sportplatz für die die diversen australischen Ballsportarten) gibt es in dieser Minenstadt nicht viel. Bei so vielen hier lebenden Männern muss es doch ein Pub geben? Und schon taucht nach der nächsten Ecke eines auf! Wir geniessen unser sauteures Bier (CHF 8.- für ein frisch gezapftes, 4dl) und beobachten die lokalen Leute, die ihren wohlverdienten Feierabend geniessen.


KARIJINI NATIONALPARK

Samstag, 1. Oktober 2022

Fahrt: Tom Price nach Dales Campground/Karijini Nationalpark (120 km)

Im Touristen-Informationszentrum werden wir von einem Bus abgeholt. Der sympathische Busfahrer ist auch gleich unser Tourführer durch die Eisenerz-Mine. Er erzählt spannendes rund um die Tagebau-Mine und die Leute, die hier arbeiten. U.a. kennt er auch die hohen Saläre, aufgrund deren viele Leute in dieser gottverlassenen Gegend arbeiten. Der Lastwagenfahrer verdient im 1. Jahr AUD 70’000.- und das kann sich innert fünf Jahren auf über AUD 120'000.- entwickeln … ohne den jährlichen Bonus versteht sich und für Essen und Unterkunft muss man nichts bezahlen. Der Kurs AUD zu CHF liegt zurzeit bei rund 2/3, d.h. 120'000.- sind CHF 80'000.-. Wir fahren auf unbefestigten, aber topfebenen Strassen durch die Mine. Einmal dürfen wir aussteigen und in eine der riesigen Gruben, wo der halbe Berg weggesprengt wurde und durch den Abbau eine mind. 100 m tiefe Grube entstanden ist. Faszinierend! Nur allein diese Mine gibt noch ca. 50 Jahre Eisenerz her. Im Umkreis von 50 km befinden sich noch etliche weitere Minen – es scheint als wären die Bodenschätze unerschöpflich. Weiter nördlich kommen noch Gold- und Diamantenminen hinzu. Das zerkleinerte Eisenerz wird auf bis zu 2.4 km langen Zügen geladen, die dann mit einem einzigen Mann Besatzung auf der längsten privaten Bahnlinie nach Dampier gebracht und dann von dort nach China und Japan verschifft werden. Die Mine wird von hunderten Arbeiterinnen und Arbeitern während 24 Stunden und jeden einzelnen Tag im Jahr betrieben.

Eine relativ kurze Fahrt durch eine hügelige Landschaft, die aussah als wäre es eine Glatze, die noch vereinzelt Haar sprich ein paar Bäume hat, bringt uns dann zum Dales Campground im Nationalpark. Ich konnte in drei verschiedenen Reservationsvorgängen drei verschiedene Plätze für die nächsten drei Tagen ergattern. Juhuuuiii! Der Campingplatz befindet sich mitten im Nirgendwo – nur mit einfachen Toiletten nach System "Plätsch, direkt in ein Loch", aber alles sehr sauber und ohne unangenehme Gerüche. Unser Campervan ist mit 110 Liter Wasser gefüllt. Wir kommen also ohne Probleme durch die nächsten Tage. Die Standplätze sind riesig und unsere nächsten Nachbarn zum Teil kaum zu sehen. Generell sind die Standplätze immer sehr grosszügig - auch in den Stadtcampingplätzen.

Kaum angekommen begeben wir uns zum Fortescue Falls, den uns die nette Freiwilligen-Helferin beim Checkin zum Campingplatz wärmstens ans Herz gelegt hat. Die Treppen führen uns auf den Boden des Tales und was wir hier sehen, verschlägt uns fast den Atem: ein Naturpool in einem Amphitheater unterhalb eines Kaskaden-Wasserfalles. Einfach fantastisch! Aufpassen müssen wir, wenn wir in den Pool steigen, da es auf den Steinen meeega glitschig ist. Aber das Bad tut sowas von gut. Das ist unsere Badewanne für die nächsten Tagen, da die Campinginfrastruktur keine Dusche vorgesehen hat. Etwas weiter hinten im Tal gibt es noch ein weiteres etwas kleineres Wasserloch, der Farn-Pool. Auch sehr schön und mystisch. Dies ist ein heiliger Ort für die Aborigines und ich kann völlig nachvollziehen, weshalb das so ist.

Am Abend schleicht ein Dingo um unseren Campervan und sucht nach was Essbarem. Wir möchten während unseres Aufenthaltes unbedingt noch in den Hemersley Gorge, der aber nur mit 4x4-Antrieb erreichbar ist. Ich versuche also mittels zwei Inseraten, die ich an den Toiletten aufhänge, eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren. Leider waren wir aber nicht erfolgreich - ein Versuch war es wert. Wir freuten uns auf Tomaten Mozzarella – einen Mozzarella-Käse haben wir für teures Geld beim letzten Einkauf ergattert. Ein grosser Bissen … wäh, das ist aber komisch. Als hätte man eine Ziege abgeschleckt. Phhuuu, der wandert gleich in den Abfalleimer.


Sonntag, 2. Oktober 2022

Heute besuchen wir den westlichen Teil des Nationalparkes, dafür fahren wir über 160 km (hin und zurück). Das Ziel der Raffle Wasserfall, der auf geteerter Route erreichbar ist. Von der Aussichtsplattform ein herrlicher Blick in den Naturpool, der von hochragenden rotbraunen Felsen umrundet ist. Wiedermal «Woooow!». Wir sehen Touristen, die baden – der Weg dahin sieht aber abenteuerlich aus – über lange steile Treppen. Schwierigkeitsstufe 5! Wir laufen mal zum Anfang des Trails und nehmen Stufe für Stufe und schaffen es bis auf den Boden der Schlucht. Nun noch der letzte Teil zum Pool, den wir hüfttief watend über spitzige Steinen (aua, meine Bürofüsschen) meistern. Wow, was für ein Anblick … was die Natur alles über Jahrtausende hervorbringt ist einfach unglaublich. Auch hier geniessen wir ein kühlendes Bad und machen die obligatorischen Fotosessions.

Über 3 km unbefestigte Strassen fahren noch zum zweiten Campingplatz, der definitiv luxuriöser ausgestattet ist – mit Restaurant, warmen Duschen und einer Kühltruhe voller Glacen. Wir gönnen uns eine Glace – der ursprüngliche Plan von hier eine Mitfahrgelegenheit in eine weitere Schlucht zu finden, verwerfen wir – es ist eh schon ziemlich spät und da es bereits um 18.00 Uhr einzudunkeln beginnt, müssen wir bald wieder zurück in unser Camp fahren um zu verhindern, dass uns wilde Tiere im Scheinwerferlicht vor die Haube springen.

Beim Abendessen schaffte ich es noch mein weisses T-Shirt mit einer halben Flasche Ketchup zu verzieren ... Tja!

Heute werden wir mit einem fantastischen Abendrot beglückt und der Dingo schaut auch noch kurz vorbei.


Montag, 3. Oktober 2022

Wiederum werden wir mit herrlichem Wetter vom Tag begrüsst. Nach unserem Platzwechsel hinterlege ich einen neuen Flyer bei der Rezeption um vielleicht doch noch eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern. Heute steht eine längere Wanderung zum bereits gesehenen Fortescue-Wasserfall an. Zuerst der Krete und danach am Talboden entlang. Beim Ausgangspunkt treffen wir auf Südafrikaner, die uns anscheinend noch vom Kalbarri-Nationalpark her erkannt haben. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass die beiden zu ihren Kindern nach Australien gezogen sind und nun campend das neue Heimatland erkunden. Auf dem Campingplatz haben sie heute drei Schlangen auf den Bäumen gesehen. Uhhh, soll ich das Mami übersetzen? Hmm, zu spät, sie hat «Snakes» bereits verstanden und fragt nach, was die beiden genau gesagt haben. Da muss ich wohl übersetzen. 😊

Der Trail ist nicht nur wunderschön, sondern auch sehr abwechslungsreich – mit kleinen Herausforderungen. Von der Krete sehen wir ins Tal hinunter und wieder in ein grossartiges Wasserloch mit kleinem Wasserfall. Danach geht es etwas steil über Stock und Stein hinunter und einmal wird eine Passage mit einer Leiter überbrückt. Mami und Papi machen das sehr gut. Hier ein lustiges Filmchen dazu:

Auf dem Talboden begleiten wir einen Bach, manchmal müssen wir über Steine hüpfen, damit wir keine nassen Füsse erhalten und manchmal müssen wir uns an der Wand entlang hangeln. Wir hören Vögel zwitschern und sehen auch das an der Wanderweg-Tafel angekündigte natürliche weiss-türkis schimmernde Asbest, das man nicht berühren sollte, denn auch diese ganz feinen Fasern sollte man nicht einatmen. Am Schluss gönnten wir uns im natürlichen kühlen Pool unser tägliches Bad.

Beim zurück laufen frage ich kurz bei der Rezeption, ob sich jemand gemeldet hat. Die superfreundliche Dame (bis auf den einen bereits geschilderten «Mürgu» waren bis jetzt alle Australier wirklich hyperfreundlich und hilfsbereit) verneint meine Frage leider.


PORT HEDLAND

Dienstag, 4. Oktober 2022

Fahrt: Karijini Nationalpark nach Port Hedland (374 km)

Schweren Herzens verabschieden wir uns aus diesem wunderschönen Nationalpark und machen uns auf zu unserer nächsten Destination, resp. Zwischenstation. Das eigentliche Ziel ist Broome, doch die Fahrt wäre mit fast 1'000 km zu lang. Wir entscheiden uns für eine Übernachtung in Port Hedland, dem nach der Tonnage einer der grössten Häfen. Hier wird Eisenerz und auch ein paar Millionen Tonnen Salz, das aus dem Meer gewonnen wird, verschifft. Die Fahrt nach Port Hedland wird gespickt von Dutzenden Road-Trains. Das sind Lastwagen mit bis zu vier Anhänger und einer Länge von 60 m. Immer wieder ein Ereignis wenn so ein Riesen-Truck uns entgegenfährt. Der Fahrer resp. die Fahrerin hält das Steuerrad immer fest in den Händen, damit es uns nicht in den Strassengraben fegt. Die andern beiden versuchen dann ein schönes Filmchen zu drehen oder ein Foto zu schiessen. Bei einem kurzen Zwischenstopp beobachten wir die Road-Trains vom Parkplatz. Diese sahen uns und hupten uns entsprechend als Begrüssung. Wir winkten zurück. Was für ein Spass!

Im verschlafene Arbeiterstädtchen Port Hedland sahen wir die riesigen Züge mit dem Eisenerz einfahren und auch grad noch ein Eisenerz-Frachtschiff, das von fünf Begleitbooten aus de Kanal ins offene Meer begleitet wurde. Bye bye!

Der ausgewählte am Meer gelegenen Campingplatz ist voll besetzt, so dass wir auf den Campingplatz südlich von der Stadt ausweichen müssen. Wow, nach vier Tagen ohne Dusche tat das Wasser so gut auf der Haut.

Zur Feier des Tages gibt es Poulet-Curry und ein Glas Wein – wir müssen unbedingt aufstocken, der Alkohol geht uns bald aus. 😊

 

Wildblumen-Frühling

Da wir im Frühling der Westküste entlang reisen, haben wir Glück, dass wir viele Wildblumen blühen sehen. Manchmal sind es nur einzelne Blüten, manchmal ein Farbennest und manchmal ganze Felder von wunderschönen Blumen.

 

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