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Daly Waters, Karlu Karlu, Alice Springs, Yulara (Uluru), Kings Canyon, Coober Pedy (Bericht 7)

Dieser Reiseabschnitt ist geprägt von Felsen, sei es von kugelrunden, von Einschnitten, von einem grossen weltweitbekannten, von einer tiefen Schlucht oder von unterirdischen Gängen. In den unterschiedlichsten Formen und Farben. Ich kann nicht genug davon kriegen … Ich verspreche es, es ist kein langweiliger Reisebericht.




DALY WATERS

Freitag, 28. Oktober 2022

Fahrt: Katherine Gorge nach Daly Waters (322 km)

Wir fahren noch ein letztes Mal durch Katherine, wo wir uns mit einem neuen Navikabel, Trinkwasser und Medikamente für Mami eindecken. Mami hat wieder Bauchweh und wir werweisen, ob wir zum Arzt gehen sollen, da wir die nächsten Tage ziemlich ab vom Schuss sein werden. Mami entscheidet sich aber dagegen und wir hoffen, dass sie sich bald wieder besser fühlt.

Bei den warmen Quellen im Elsey Nationalpark bei Mataranka machen wir den ersten Zwischenstopp. Die verschiedenen Pools mit angenehmen Wassertemperaturen laden mit glasklarem Wasser und türkisblauem Grund zum Baden ein. Leider wird diese Idylle durch zehntausende von Fledermäusen gestört – nicht nur durch ihre Schreie, sondern auch durch den Gestank ihres Kotes. Wir liessen uns den Spass des Bades (schliesslich sind wir auch in den Badeferien 😊) nicht nehmen und lassen uns im Wasser treiben.

Zurück auf der Strasse erwartet uns ein kurzes Gewitter und damit einen Temperatursturz von 38 auf 21 Grad. Zudem immer wieder Auto- und Lastwagen-Wracks am Wegesrand, die entweder ausgebrannt sind, nach einem Unfall stehen gelassen wurden oder einfach sonst grad keine Verwendung mehr haben und bis auf das Chassis ausgenommen wurden. Wir fragen uns, weshalb diese Überbleibsel nicht entfernt werden.

Auf Daly Waters haben wir uns alle drei schon lange gefreut. Mitten im Nirgendwo versteckt sich ein skurriles Pub, das bis über die Landesgrenze hinaus bekannt ist. Das Pub besteht aus einer einfachen Holzhütte, wo über die letzten 100 Jahre an mehreren Seiten Unterstände und Veranden angebaut wurden. So können während der Hochsaison hunderte von Leuten bedient werden. An den Wänden hängen allerlei Mitbringsel von den Gästen – vom BH, über Geldnoten zu Baseballmützen. Zudem besteht der Ort aus ein paar weiteren einzelnen Hütten, die von verrosteten Oldtimern umsäumt sind, sowie einem Campingplatz. Hier lassen wir uns für eine Nacht nieder. Mami fühlt sich immer mieser – sie hat Gliederschmerzen, Fieber und Darmprobleme. Uiuiui, und der nächste Arzt ist hunderte von Kilometer entfernt. Unmittelbar nach Ankunft machen wir ihr das Bett parat, so dass sie sich unter die Decke kuscheln und etwas schlafen kann. Währenddessen begeben sich Papi und ich zum Pub. Dort führt ein kurioser Typ mit seinem Pferd und Hund eine lustige Vorführung auf. Zum Schluss bringt er den Esel noch ins Pub zum Klavier, der dort mit der Zunge die Taste bedient und damit Klavier spielt. Nach dieser Show gönnen wir uns ein Bier und ein mit Käse überbackendes SchniPo. Ein Teller reicht für uns Beide – die Portionen sind eher für einen Schwerarbeiter gedacht. So richtig geniessen können wir es aber nicht, denn unsere Gedanken sind bei Mami, die bereits innert wenigen Wochen sich das dritte Mal nicht wirklich gut fühlt. Wir gehen also früh zurück zum Van, nicht aber ohne vorher noch unsere Visitenkarte an der entsprechenden Wand zu hinterlassen.



KARLU KARLU (Devil Marbles)

Samstag, 29. Oktober 2022

Fahrt: Daly Waters nach Karlu Karlu (511 km)

Mami fühlt sich nach über 12 Stunden Schlaf etwas besser – sie möchte sogar unbedingt wieder Autofahren. Der grösste Streckanteil fährt jeweils Mami, da sie am besten fährt und es auch noch gerne macht. Ich schaue lieber zum Fenster hinaus und beobachte die vorbeiziehende Natur oder informiere mich mittels der Reiseführer über die nächste Destination. Zudem konsultiere ich oft das App WikiCamps, wo nicht nur alle Camping- und Standplätze, sondern auch unbekanntere Sehenswürdigkeiten aufgeführt sind.

Die heutige Fahrt ist etwas langweilig, da sich die Landschaft über mehrere hundert Kilometer kaum verändert. Kein Wunder, wir fahren auch in Richtung des roten Zentrums, wo die Vegetation in der Halbwüste immer spärlicher wird. Nach über 500 km und zweimal tanken, kommen wir bei den Karlu Karlus (vormals Devil Marbles) an. Leider ist der Himmel grau, so dass die plötzlich auftretenden runden Felsen nicht so stark zur Geltung kommen. Trotzdem sehr beeindruckend. Wir machen uns auf einen kleinen Walk und ohalätz, da überquert eine schwarz-braun gestreifte Schlange mit schwarzem Kopf den Weg. Es handelt sich dabei um eine Black Headed Python. Gemäss Internet ungiftig. Uff, Glück gehabt … aber das wusste ich ja erst später. Jedenfalls hielten wir gebührenden Abstand und plötzlich ist sie in einem Loch verschwunden. Wir beschliessen spontan auf dem einfachen Campingplatz mit Plumpsklo und ohne Strom (kein Problem, da die Nacht eh kühl ist) unmittelbar bei den Karlu Karlus zu übernachten, um vielleicht so am Morgen bei Sonnenschein die Steinfelsen noch einmal zu sehen. Die Reservation können wir über das angebotene Wifi (in dieser Abgeschiedenheit!) machen. Die Campingplätze ausserhalb der Städte sind immer wundervoll angelegt, sehr nahe an den Sehenswürdigkeiten und mit grosszügigen Plätzen. Auch die Infrastruktur ist bisher mit wenigen Ausnahmen immer sehr sauber.

Das Abendessen genossen wir vor dem Van und machten den fatalen Fehler, dass wir das Aussenlicht eingeschaltet, jedoch die Türe nicht geschlossen haben. Mann-o-mann, das endete leider wieder in einer Insektenjagd, bis all die Viecher entfernt waren.


ALICE SPRINGS

Sonntag, 30. Oktober 2022

Fahrt Karlu Karlu nach Alice Springs (405 km)

Am Morgen wurden wir mit blauem Himmel belohnt und so konnten wir die Steinhaufen noch einmal geniessen und viele Fotos machen.

Ein weiterer Tag mit vielen Kilometern steht bevor. Wie immer machen wir alle ca. 150 bis 200 km einen Stopp, um unsere Füsse zu «vertrampen» und eine Zwischenverpflegung einzunehmen. Heute machen wir einen Stopp in Aileron. Ich konnte mich noch an eine über 12 m grosse Aboriginal-Figur erinnern, die in diesem kleinen gottverlassenen Nest auf einem Hügel zu sehen ist. Inzwischen ist eine weitere Figur mit einer Mutter und ihrem Kind hinzugekommen. Beide sehr beeindruckend. Ein weisser Künstler hat diese beiden Figuren geschaffen und der Ort hoffte damit auf mehr Touristen und damit Einnahmen. Ich denke aber, dass der Plan nicht ganz aufgegangen ist. Das lokale Kunstzentrum ist geschlossen und das Roadhouse mit Tankstelle macht einen heruntergekommenen Eindruck. Aber für uns war der Ort eine willkommene Abwechslung an unserem langweiligen Fahr-Tag.

Dann wurde es doch noch spannend … unsere Öllampe blinkt. Ui, kein gutes Zeichen. Ich schreibe Darrell umgehend eine WhatsApp. Er meint, dass man wohl beim letzten Ölwechsel die Ölwechsel-Anzeige nicht zurückgesetzt hat. Ähm, und deshalb blinkt nun nach über 11'000 km erstmals die Öl-Anzeige? Komisch! Aber wenn er das meint, dann wird es schon so sein. Wir haben es jedenfalls gemeldet.

Vor den Toren von Alice Springs werden wir, wie so oft in Nordterritorialen Orten, mit einem grossen Schild darauf hingewiesen, dass an öffentlichen Orten keinen Alkohol konsumieren darf. Auch dies ein Hinweis auf das grosse Alkohol-Problem der Aboriginal.

Gegen 16.00 Uhr erreichen wir endlich Alice Springs, die zweitgrösste Stadt von Northern Territory. Wir entscheiden uns umgehend zum Spital zu fahren, um mal abzuklären, was Mami fehlt. Wir begeben uns zum Notfall und werden sofort empfangen. Ich erkläre, was das Problem ist und die Krankenpflegerin nimmt mal rudimentär alles auf und erklärt uns, dass wir hier am richtigen Ort seien. Danach müssen wir uns anmelden und bereits das Finanzielle klären, indem wir unsere Kreditkarten-Details hinterlegen müssen. Am Schluss wird dann alles abgerechnet, belastet und wir erhalten eine Rechnung, die wir der Krankenkasse einreichen können. Im Wartesaal warten wir – zusammen mit meist Aboriginal, die den gesamten Clan inkl. wild herumspringenden Kinder mitbringen. Nach einem weiteren Gespräch mit der Krankenpflegerin und ein paar rudimentären Abklärungen (Fieber, Blutdruck usw.) holt uns die Ärztin ab, die uns wiederum mit dutzenden Fragen durchlöchert. Sie nimmt dann Blut ab und bringt es direkt ins Labor. Nach drei Stunden ist dann so weit klar, dass Blut und Wasser in Ordnung sind und man nicht richtig weiss, was Mami fehlt. Toll – ich erhoffte mir, dass man einen Virus oder sowas findet, damit dann entsprechend reagiert werden kann. Andererseits aber natürlich trotzdem gut, dass man nirgendwo ausschlagende Werte gefunden hat und Mami grundsätzlich bei guter Gesundheit ist. Uns wird empfohlen darauf zu achten, was wir so essen und immer die Hände gut zu waschen, da die Hygiene mancherorts doch eher zu wünschen übriglässt. Die Rechnung von AUD 600.- bezahlen wir dann direkt beim Schalter.

Erst nach 19.00 Uhr begeben wir uns zum bereits zuvor kontaktieren Campingplatz. Im Spital konnte ich jedoch nicht mehr schreiben, dass wir erst spät anreisen werden, da wir kein entsprechendes Netz hatten. So standen wir also nach einem langen Tag vor den verschlossenen Toren. Aus einem Taxi steigt ein Mann (Grant), der sich direkt zum Tor begibt. Ich spreche ihn an, ob er ev. die Notfallnummer des Campingplatzes anrufen könnte, da wir zu spät für das Check-in sind. Was er auch umgehend macht. Leider beantwortet niemand den Anruf. Eine weitere Langzeit-Camperin (Sharon), die also auf dem Campingplatz wohnt, gesellt sich zu uns. Nachdem ich erklärt habe, dass wir wegen der Spitaluntersuchung von Mami so spät dran sind, entscheiden die beiden uns reinzulassen und auf dem Platz von Grant campieren zulassen. Er überlässt uns sogar seinen Stromanschluss, damit wir die Klimaanlage laufen lassen können und bietet uns an, auch sein Ensuite-Badezimmer zu benutzen. Wie grosszügig! Den Stromanschluss nehmen wir dankbar an, Toilette und Minibadezimmer haben wir ja selber. Wir laden Grant zum Abendessen gleich in der Brauerei nebenan ein (der Grund, weshalb ich diesen Campingplatz auswählte 😊). Er erzählt uns, dass er vor fünf Monaten von Darwin nach Alice Springs gezogen ist und einen Job beim Staat hat. Er besucht die Aboriginal-Communities (Dörfer) um zu klären, welche Unterstützung sie im Gesundheitsbereich benötigen, damit sie nicht jeweils den weiten Weg in die Stadt fahren müssen und sich selbst versorgen können. Spannend! Endlich mal ein Ansprechpartner, mit dem man das Thema «Aboriginal» eingehend besprechen kann. Doch auch bei seinem Job geht es nur um ganz wenige kleine Mosaik-Steinchen im grossen Bild. Auch er sagt, es gibt keine Patentlösung. ☹


Montag, 31. Oktober 2022

Als erstes gehe ich gleich zur Reception, um uns ordentlich anzumelden und der Chefin Linda zu beichten, dass wir es gestern doch noch in den Campingplatz geschafft haben. Ich glaube, Linda war nicht so begeistert. Ich versuchte ihr klarzumachen, dass wir in einer Notsituation war und sie keinesfalls Grant für sein Verhalten verantwortlichen machen darf. Ich möchte nicht, dass Grant in Schwierigkeiten gerät. Wir entscheiden uns für die luxuriöse Variante eines Ensuite-Badezimmers (eigenes Badezimmer). Sie verrechnete uns dann die letzte Nacht und wir bezahlten auch gleich noch für drei weitere Nächte und damit war es dann geritzt.

Heute wollen wir es ruhig angehen, um Mami einen Ruhetag zu gönnen. Zudem nutzen wir das super Wifi (eine Seltenheit) und machen einen Bürotag um unsere Berichte, diverse Statistiken und Listen auf Vordermann zu bringen. Zudem ist auch noch Waschen angesagt (so viel zum Ruhetag von Mami).


Dienstag, 1. November 2022

Wir sind wieder voller Tatendrang und entscheiden uns kurzfristig zu den MacDonnell Ranges, ein weiterer Nationalpark, zu fahren und ev. sogar dort zu übernachten. Das heisst, wir haben zwar noch zwei Nächte hier in Alice Springs bezahlt, lassen aber halt eine sausen damit wir in den nächsten zwei Tagen die Region geniessen können. Über unsere Pläne informieren wir die freundlichen Deutschen Nachbarn, mit denen wir bereits ein paar Mal geplaudert haben, und auch die Campingplatz-Besitzer, damit die uns nicht vermissen. Zuerst wechsle ich aber noch das Schloss der Geschirrschublade aus, das inzwischen gebrochen ist (es «lödelte» schon von Beginn weg). Dafür setze ich ein Schloss von einem der oberen Ablagen ein.

Danach gehen wir noch in die Stadt um Medis für Mami zu besorgen. Tanken war auch noch angesagt und mit AUD 2.59 (ca. CHF 1.70) pro Liter Diesel, war dies der teuerste Tankstopp bis jetzt.

Die MacDonnell Ranges sind Hügelzüge westlich und östlich von Alice Springs. Diese sind durch viele Einschnitte unterbrochen. Wir besuchen sie westlichen Hügelzüge, wo entlang einer guten Strasse alle Sehenswürdigkeiten wie an einer Perlenschnur aufgereiht sind. Bereits nach kurzer Anfahrt sind wir beim ersten Gap (Einschnitt), dem Stanley Chasm. Auf dem Parkplatz bietet eine Aboriginal-Frau ihre Punkt-Bilder zum Verkauf an. Wow, die gefallen mir! Doch zuerst begeben wir uns zum Einschnitt (einziger Ort wo Eintritt verlangt wird) und ja, die war beeindruckend. An der schmalsten Stelle ist sie gerade mal 4 m breit und auf beiden Seiten ragen hohe orange Felswände empor.

Nach einer Zwischenverpflegung wählen Mami und ich je ein Bild aus und freuen uns darüber, dass wir Nellie das Bargeld direkt geben können und sie es nicht noch mit einer Kunstgalerie teilen muss.

Der nächste Halt ist die Serpentine Gorge, die wir via einer holprigen Schotterstrasse erreichen. Es wurde beim Wegweiser 5 km angegeben, jedoch waren wir nach knapp 2 km schon da. Ob da die Hin- und Rückfahrt einberechnet wurde? Durch die Serpentine Gorge läuft ein Bach, der sich zu einem kleinen See gestaut hat. Mit den Wasserspiegelungen sieht es einfach fantastisch aus. Ups, plötzlich fällt die Foto-Kamera (ja, sowas gibt es noch) von Mami in Wasser. Sie fischt sie heraus, doch funktionieren tut sich nicht mehr. Wir legen sie ins Auto zum trocknen und hoffen, dass sie dann später wieder «fötelet».

Bei den Ochre Pits bestehen die Wände aus vielen verschiedenen Ockerfarben, die die Aboriginal noch heute zur Körperbemalungen für Zeremonien verwenden. Der Ort gefällt uns besonders gut und erinnert uns an den Wave Rock mit all den schönen Farben.

Beim Ormiston Gorge möchten wir beim einfachen aber gut besuchten Campingplatz übernachten. Als ich heute Vormittag nachschaute, war Online noch alles frei. Der Kiosk ist anscheinend seit heute für die «Sommersaison» geschlossen, da dies aufgrund der hohen Temperarturen die Nebensaison ist. Zudem gibt es hier in dieser Abgeschiedenheit kein Handy-Netz. Somit sind Buchungen für den Campingplatz nicht möglich. Ein weiterer Tourist irrt etwas verloren rund um den Kiosk und auch er wollte eigentlich hier übernachten. Er habe extra noch im Touristen-Büro in Alice Springs nachgefragt, ob man hier vor Ort buchen kann und ihm wurde versichert, dass der Kiosk offen hat. Wir entscheiden uns trotzdem auf dem Campingplatz zu übernachten, da es eh zu spät wäre noch zurückzufahren. Den Apéro nehmen wir direkt am Ufer des Gorges ein und geniessen die Ruhe mitten in der Natur.

Zum Abendessen dann feine mexikanische Fajitas (eine Spezialität) und danach noch drei Runden Skipo, die Mami allesamt gewinnt!


Mittwoch, 2. November 2022

Kurz nach dem Frühstück geht es zu Fuss auf den Aussichtspunkt des Ormiston Gorge und danach wieder zurück Richtung Alice Springs. Wir machten noch einen letzten Halt, und zwar im Simpson Gap, wo wir über eine grosse Sandfläche zum kleinen Teich zwischen den zwei hohen Felswänden gelangen.

In der Stadt kaufen wir eine Abblendlicht-Birne, da wir nur noch Ein-Äugig herumfahren. Darrell meinte, die könnten uns das vom Laden gleich einbauen. Weit gefehlt, als wir die Motorhaube öffneten, machte der freundliche Shop-Mitarbeiter grosse Augen und meinte, dass er dies unmöglich machen kann, da zuerst ein paar Teile ausgebaut werden müssen. Also begeben wir uns zum nächsten Mechaniker und der meinte, es kann – je nach Aufwand – bis zu AUD 135.- kosten. Puhh, Darrell fand das nicht wirklich lustig, aber eben, es muss gemacht werden. Schlussendlich kostete es dann «nur AUD 85.-. Der Mechaniker überprüfte auch noch den Ölstand und hat noch einen Liter eingefüllt. Besser ist besser.

Nach einem Grosseinkauf stellen wir fest, dass so ein «Dubel» mit weisser Farbe unseren Esel verschandelt hat. Zum Glück ist die Farbe noch nicht angetrocknet und wir können sie mit rubbeln entfernen. Danach geht es zurück zum Campingplatz und nach einer Dusche direkt in die Brauerei, wo es heute Pizza für einen Pauschalpreis gibt. Auch Grant schaut noch für ein Bier vorbei und wir führen spannende Gespräche über das Leben in Australien. Ich erzähle ihm, dass ich ein schönes Bild von einer Aboriginal-Frau gekauft habe und beschreibe ihm, wie das Bild aussieht. Er meint, ob das Bild von Nelli sei? Ja!!?? Wieso weisst du das? Er habe ein ähnliches Bild geschenkt erhalten und auf der Rückseite steht der Name der Künstlerin. Was für ein Zufall!


YULARA

Donnerstag, 3. November 2022

Fahrt: Alice Springs nach Yulara (469 km)

Ein weiteres Highlight unserer Reise steht bevor. Wir ziehen weiter Richtung Uluru (ehem. Ayers Rock). Unterwegs stoppen wir bei einem Salzsee, wo wir auch einen Blick auf den Mount Connor werfen können, den viele für den Uluru halten, da auch er aus dem nichts herausragt. Hier entdecken wir eine weitere Schlange, die sich aber auch gleich wieder in ein Loch verzieht. Diesmal war es eine Slaty Grey Snake. Wiederum nicht giftig.

Bei der Raststätte Curtin Springs machen wir einen Stopp, wo wir zufälligerweise wieder unsere deutschen Nachbarn vom Campingplatz in Alice Springs treffen. Sie erzählen uns, dass sie eine wunderbare Wanderung im Kings Canyon gemacht haben. Diese war bei mir provisorisch auf dem Reiseplan und schaffte es nun nach dieser guten Rückmeldung in die definitive Planung.

Den Uluru sieht man schon von weitem. Der Monolit, der bei Gross und Klein für Faszination sorgt. Den Campingplatz in Yulara (habe grad herausgefunden, dass Yulara «Weinen» heisst … wie schade, dass so ein wunderbarer Name eine so traurige Bedeutung hat) haben wir vorreserviert, da es keine anderen Alternativen (ausser natürlich teure Hotels) gibt. Der Platz ist aber praktisch leer. Ein weiteres Zeichen, dass wir in der Nebensaison reisen. Uns zieht es nun direkt zum Uluru (was «grosser Kieselstein» bedeutet – immerhin!). Nach kurzer Fahrt parken wir auf dem Sonnenuntergangs-Parkplatz. Etwa 150 Parkplätze stehen in Reih und Glied zur Verfügung, so dass alle einen Ausblick aus der 1. Reihe den Sonnenuntergang geniessen können. Wir tischen unseren Apéro auf und machen es in den Campingstühlen bequem und lassen uns von den wechselnden Farben – von ocker bis orange – überraschen.

Plötzlich kommt im Nachbar-Van Hektik auf. Eine Spinne befindet sich im Schlafbereich. Der Mann spickt die Spinne heraus – genau auf das Shirt seiner Partnerin. Eine weisse ca. Handtellergrosse Spinne. Iiiiiihhhhh!

Zur Feier des Tages gönnen wir uns ein Riesenfilet vom Grill mit selber gemachten Pommes Frites und gegrillten Tomaten. Die Campingküche hat wieder mal gezaubert!


Freitag, 4. November

Auf die heutige Wanderung freue ich mich. Neben dem Uluru gibt es in diesem Nationalpark noch die Kata Tutja (ehemals Olgas). Die Felsformation sieht aus wie «viele Köpfe» (daher der Namens Kata Tutja), genau genommen sind es 36 Fels-Dome. Wir entscheiden uns erstmal für die längere Wanderung, die durch die Felskuppeln, durch kleine Täler (Valley of the winds) führt. Die über 7 km lange nicht ganz einfache Rundwanderung führt uns u.a. zu zwei Punkten, die einen spektakulären Ausblick freigeben. Da die Wanderung ab Temperaturen von 36° gesperrt wird, machen wir uns heute etwas früher auf die Socken also normalerweise. Wir brauchten über vier Stunden für die Wanderung, dafür legten wir aber auch viele Stopps ein, wo wir die Eindrücke aufsogen. Im Valley of the winds zog tatsächlich ein abkühlender Wind durch das erstaunlich grüne Tal und eine kurze Kletterpartie (auf allen vieren) musste auch noch zurückgelegt werden.



Den zweiten kürzeren Walk (Walpa Gorge) nahmen nur noch Papi und ich unter die Füsse, während Mami im Schatten Fotos aussortierte. Der Weg ist wunderbar angelegt und es sind sogar Holzstege und Brücken vorhanden, damit man die heikleren bei Regen rutschigen Passagen einfacher meistern kann. Unterwegs sehen wir noch eine Guana, eine grosse Echse, die sich aber Partout nicht mehr aus dem grünen Dickicht bewegen wollte. So mussten wir ins Wasser balancieren um doch noch einen guten Blick auf sie zu erhaschen.

Zur Feier des Tages tauchten wir nach den fordernden Wanderungen in den kühlen Pool ab.


Samstag, 5. November

Uluru, wir kommen! Doch ein Anruf aus der Schweiz via Whatsapp irritiert mich. Wieso ruft mich Felix an? Die Frau von Luzia, von der ich diese Nacht geträumt habe (keine Ahnung mehr, was ich geträumt habe). Der Anruf kann nur ein Irrtum sein. Doch dann klingelt es noch einmal und meine Kollegin Michi ruft an. Hä? Ich nehme den Anruf entgegen und siehe da, Michi, ihr Mann Burki sowie Luzia und Felix sind beim gemütlichen Abendessen und haben an mich gedacht. Ich habe mich sehr über den Anruf gefreut. Ich vermisse nichts hier in Australien, ausser dem Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen (und natürlich Schwester!). Bei einem Glas Gin zu sinnieren und meine Gedanken zu teilen. Das ist dann ab Januar wieder angesagt!

So, nun geht es ab zum 20 km entfernten Uluru. Wir möchten heute den Felsen auf dem flachen 11 km langen Weg umrunden. Der Uluru kann seit 2019 nicht mehr erklommen werden. Uluru ist nicht nur einfach ein langweiliger Monolit. Es gibt Felseinschnitte, Höhlen, Wasserlöcher, heilige Orte, Felszeichnungen usw. Eine Aboriginal-Geschichte hat mich besonders beeindruckt: Bei einem Wasserloch sind immer Emus trinken gegangen. Die Jäger haben sich jeweils versteckt. Sobald die Emus genug getrunken und sich wieder entfernten, haben die Jäger jeweils das letzte Emu erlegt. So haben sie sichergestellt, dass sich die anderen nicht erschreckten und somit immer wieder zum Wasserloch zurückkehrten. So haben sie sich wohl einfach immer gefragt, weshalb nach dem Trinken immer eines fehlt. 😊 Fies! Ein Teil des Weges führt direkt am Uluru entlang, ein Teil etwas davon entfernt, da es einige heilige und spirituelle Orte für die Aboriginal gibt, die man weder besuchen noch fotografieren darf.

Beim naheliegenden Kulturzentrum verpflegen wir uns mit der wohlverdienten Glace und ich kaufe mir noch ein Mini-Aboriginal-Bild. Anschliessend ruft wieder mal der Pool! Am Abend gönnen wir uns ein Abendessen in der naheliegenden Pioneer Lodge. Das Fleisch kann man an der Theke auswählen und man grilliert es dann selber auf einem der unzähligen Gasgrills. Die Beilage holt man sich am Buffet. So geht einfach und australisch! Alkohol erhält man übrigens nur mit einem Zettel von der Unterkunft, der einem bescheinigt, dass man Gast ist … und so den Ureinwohnern wohl der Zugang zu Alkohol verwehrt werden soll.


Sonntag, 6. November

Heute sind heisse Temperaturen angesagt … ideal für einen Bürotag im Schatten unserer Markise. Am Nachmittag wollten wir unser wohlverdientes Bad im Pool nehmen, doch oha, der ist heute wegen Unterhalt geschlossen. Man darf jedoch den Pool im Hotel «Sails in the Desert» benutzen. Also packen wir unsere Badesachen unter den Arm und zotteln ab Richtung Hotel (15-minütiger Walk). Und es hat sich rentiert. Manno, im Gegensatz zum Hotel-Pool werden wir beim Campingplatz mit einem ziemlich schäbigen Pool abgespiesen. Da geht mein Pool-Herz richtig auf!

Wir sind danach noch etwas im Touristenort Yulara herumgelaufen, wo alle Touristen-Bedürfnisse befriedigt werden. Wir springen auf den öffentlichen Bus und so können wir uns den Retour-Weg sparen.

So, jetzt putzen wir uns heraus! Schliesslich muss die Halbzeit unserer Reise auch gediegen gefeiert werden. Ich habe herausgefunden, dass man ein Openair-Dinner mit Sicht auf den Uluru inkl. 50'000 Lämpchen, die bei Dunkelheit leuchten, buchen kann. Ich war sofort begeistert, doch Papi musste zuerst überzeugt werden. Als Schatzmeister stimmte er dann zum Glück doch noch zu.

Mit dem Car werden wir vor dem Campingplatz abgeholt. Mitten im Nirgendwo auf einem kleinen Hügel gibt es den Apéro – wir gönnen uns ein Cüpli und geniessen das Abendlicht mit Sicht auf den Uluru und in der Ferne sieht man sogar die Kata Tjuta, Das Leben ist schön! Zum Abendessen begeben wir uns an weiss gedeckte 10er-Tische. Wir haben Glück mit unseren Tischnachbarn. Ein englisches Ehepaar und eine Familie aus Sydney, die ursprünglich aus Osttimor stammt. Die Grosseltern wünschten sich schon lange Mal den Uluru zu sehen. Die Tischnachbarin von Papi nimmt sich genügend Zeit, um den Erzählungen von Papi über unsere bisherige Reise und Reiseplänen zuzuhören. Sie macht grosse Augen, als Papi sagt: «We are four months in Australia!» Während dem Abendessen sind wir von einem Didgeridoo-Spieler begleitet worden. Vor dem Dessert erklärte uns zudem ein Sterne-Kenner, wo sich zurzeit die verschiedenen Sternenbilder befinden und was sonst noch so Interessantes sich am Himmel tummelt. Ein Lichtkünstler hat vor ein paar Jahren auf einer Fläche von mehr als sieben Fussballfeldern 50'000 Led-Lämpli installiert. Diese befinden sich gleich zu Füssen unseres Dinner-Platzes und werden mittels Solarkraft betrieben. Wir dürfen uns durch die Lichtfelder bewegen und einfach nur staunen. Wie geil (excüse!) ist das denn! Ein rundum gelungener Abend.


KINGS CANYON

Montag, 7. November

Fahrt: Yulara nach Kings Canyon (302 km)

Nach dem Frühstück gehen wir noch kurz zum Lookout vom Campingplatz um den Uluru noch ein letztes Mal zu sehen. Bye bye, bis zum nächsten Mal!

Nach sechs Tagen in Yulara zieht die Karawane weiter (Papis Worte). Es ist Zeit weiterzuziehen. Wir machen noch einmal einen Zwischenstopp beim Salzsee. Wir hofften die Schlange noch einmal zu sehen. Wir verlassen den Ort aber dann mit einem Glas voll Sand. Der ist hier so rot wie nirgendwo. Am späten Nachmittag kommen wir endlich in Kings Canyon an. Auf dem grossen Campingplatz tummeln sich nur gerade eine Handvoll Camper. Der Pool sieht «ahmächelig» an und deshalb wird auch dieser getestet. Test bestanden!

Die Sicht auf den Kings Canyon-Berg ist bei Sonnenuntergang besonders schön.


MARLA

Dienstag, 8. November

Fahrt: Kings Canyon nach Marla (531 km)

Die grosse Rundwanderung um den Canyon führt uns entlang des Schluchtrandes. Wiederum äusserst abwechslungsreich. Zuerst ein langer Aufstieg mit 500 Stufen. Herrliche Sandsteinkuppeln überraschen uns auf der Ebene. Die Aussicht auf die scharf abgeschnittene Wand ist atemberaubend. Danach haben wir wieder etliche Höhenmeter verloren, um den Garden of Eden mit seinem Wasserloch zu bestaunen. Schwimmen verboten, da ein heiliger Ort. Nun geht es entlang der Südseite der Schlucht. Dort kann man eine uralte Palmenart bewundern, die mehrere Hundert Jahre alt werden können. Der Weg zurück zum Auto zieht sich, doch trotz müden Beinen sind wir super happy über diese wunderschöne Wanderung.

Heute möchten wir noch so viele Kilometer wie möglich mit dem Van zurücklegen, da zwischen hier und unserem nächsten grossen Ziel Coober Pedy nicht viel liegt ausser über 700 Strassenkilometer. Im Rasthaus Marla stellen wir unseren Esel hin und begeben uns direkt ins Restaurant/Pub, wo wir mittels eines kühlen Bier und einem feinen Chilly con Carne unsere schöne Wanderung feiern.

Unterwegs überqueren wir noch die Grenze zwischen Northern Territory und South Australien und damit geht auch eine Zeitverschiebung von einer Stunde einher.

Wir verwundern uns noch, dass wir trotz klarem Himmel den Vollmond nicht sehen. Wir wissen, dass hier alles verkehrt ist (der Mond nimmt gegen rechts hin ab und gegen links hin zu), doch der Vollmond sollte man trotzdem sehen. Eine Camperin fragte mich, ob wir den Blutmond gesehen haben. Blutmond? Wo? Es sei eben auch noch gleichzeitig Mondfinsternis. Und siehe da, der rötliche Mond ist teils durch den Schatten der Erde abgedeckt. Wow!


COOBER PEDY

Mittwoch, 9. November

Fahrt: Marla nach Coober Pedy (242 km)

Coober Pedy, was für ein aussergewöhnlicher Ort. Er ist die Opal-Hauptstadt der Welt. Hier werden über 80 % der Schmuckopale geschürft und das ausschliesslich durch Einzelpersonen oder kleine Familienunternehmen. Da es in dieser Stadt meist sehr heiss ist, leben viele Einwohner unter der Erde. Sogar Kirchen befinden sich untertags. Auch der ausgewählte Campingplatz ist speziell. Dieser befindet sich am Rande der kleinen Stadt (ca. 1'700 Einwohner) auf einem der kahlen Hügel, von wo man eine grandiose Aussicht über die Ebene hat. Kein Mensch befindet sich hier. Wir stellen mal unsere Stühle und Tische hin und werden gegen Abend wieder vorbeischauen. Danach fahren wir zum Touristeninformationszentrum, das aber nur ein Selbstbedienungsladen im Gemeindehaus ist. Wir nehmen eine Tour in Augenschein, die uns einen guten Querschnitt der Sehenswürdigkeiten in und um die Stadt zeigen sollte. Die Tour findet jeweils am Mittwoch und Samstag statt … Mittwoch, das wäre heute! Um 13.00 Uhr! Jetzt ist 12.50 Uhr … ab zur nächsten Telefonkabine auf der anderen Seite der Strasse, von wo alle australischen Anrufe gratis sind. Schei..e, diese funktioniert nicht oder aber ich weiss nicht genau, welche Vorwahl ich da nun wählen muss. Zurück zum Parkplatz, wo ich eine wildfremde Person anspreche und frage, ob sie den Veranstalter der Tour anrufen kann. Der Mann beendet gemächlich seine angefangene WhatsApp-Nachricht. Die Schriftgrösse auf dem Display des Handys ist riiiiiiesig. Ich kann jedes Wort lesen. 😊 Dann fragt er Google, wie die Telefonnummer des Veranstalters lautet und übergibt mir dann freundlicherweise das Handy. Die nette Dame meint, dass Aaron bereits unterwegs ist, um alle Teilnehmer einzusammeln und er in 5 Minuten beim Informationszentrum sein könnte. Wir machen also eine Last Minute Buchung und schon sind wir dabei! Uff! Die Tour ist der Hammer. Zuerst besuchen wir ein Museum; aber nicht so ein langweiliges und verstaubtes, sondern eines wo man sieht, wie man vor 100 Jahren und heute unterirdisch lebt. Danach geht es in die wunderschöne unterirdisch serbisch orthodoxe Kirche. Mit dem 4x4 Bus geht es raus zu den Break Aways. Auf der Fahrt dorthin fahren wir an einer mond- resp. marsähnlichen Fläche vorbei. Hier wurden bereits viele bekannte Filme gedreht, u.a. MadMax mit Tina Turner. Die Break Aways sind farbenreiche Felsen … ich weiss, schon wieder Felsen, aber irgendwie kann ich nicht genug davon kriegen. Die Farben sind so intensiv … okay, ich höre nun damit auf. 😊 Auf der Rückfahrt fahren wir noch zu den Opal-Feldern, wo tausende von Schächten das Land durchziehen und das ausgehobene Gesteine in Hügel aufgetürmt ist. Hier ist es verboten herumzulaufen, denn die Gefahr, dass man in einen Schacht fällt und dabei umkommt, ist einfach zu gross. Wir besuchen einen so grossen Schacht, dass man sogar mit einem Lastwagen hineinfahren kann. Er zeigt uns erfolgsversprechende Adern, wobei die Adern zu 80% in wertlosem, da faden Opal endet. Der Opal muss möglichst in verschiedenen Farben schimmern, wenn das Tageslicht darauf strahlt.

Zurück beim Campingplatz trifft uns fast der Schlag. Der kleine, aber feine Platz ist voll! Ich habe zum Glück noch eine Mail geschrieben, dass wir am Abend wieder kommen werden und übernachten möchten, so dass unser ausgewählter Platz noch frei ist. Der freundliche Gastgeber nimmt uns mit offenen Armen in Empfang und unterhält uns mit lustigen Anekdoten.

Das Abendessen ist ein Genuss mit einer fantastischen Aussicht und einem Sternenhimmel, der tiefer als anderswo zu hängen scheint. Wir sehen sogar die Satelliten, die die Erde umrunden.








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