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Shiraz - die konservative Stadt

Aktualisiert: 3. Nov 2019

Shiraz ist für viele Gläubige ein Pilgerort und sehr konservativ, was man an den noch hochgeschlosseren Mäntel und den vielen schwarzen Tschadors sieht - Sandalen Fehlanzeige! Die riesige Moschee ist vorallem bei Nacht ein Glanzlicht.



Die wunderschönen Moschees in Iran sind immer farbig und grosszügig.

Nächtlicher Spaziergang zum Heiligtum - Donnerstag, 24. Mai 2017

Mit 100 km/h sausen wir nach Shiraz, am Taxistand gleich ausserhalb der Stadt werden wir ausgeladen und uns selbst überlassen. Wo sind wir genau? Wie weit ist es bis ins Stadtzentrum? Wir sprechen mit einem Taxifahrer, der 200'000 Rls verlangt - für eine Fahrt, deren Länge wir nicht abschätzen können. Wir schlagen das Angebot aus, da das Verhältnis zu unserer gerade eben absoliverten Taxi-Fahrt, die 45 Minuten dauerte, nicht stimmen kann. Wir haben uns ein Hotel aus dem Reiseführer herausgesucht, das aber anscheinend Niemand kennt - nicht einmal der Concierge Service vom eleganten Hotel Shiraz, gleich neben dem Taxistand. Wir entscheiden uns für das Niayesh Hotel und für 100'000 Rls bekommen wir auch endlich ein Taxi. Doch das Hotel ist leider voll, bzw. hat nur Mehrbettzimmer frei. Uns wird ein anderes Guesthouse empfohlen und so stapfen wir zu Fuss zum Air B&B House 43, das nur noch ein 6-Bettzimmer mit ultrahoher Decke für 60 USD (= CHF 60.-) hat - das liegt jedoch über unserem Budget. Der ältere Mann kennt noch eine andere Bleibe in einer Seitengasse. Für 30 USD ziehen wir ins Taha Two ein Drei-Bett Zimmer ein - WC/Dusche erreichen wir über den kleinen Innenhof. Der erste Eindruck von Shiraz ist ein bisschen harsch und unfreundlich. Die iranischen Frauen begutachten uns skeptisch.

Das Zimmer ist klein aber sauber und ist mit buntem Fenster-Glas bestückt. Unsere verschwitzen Kleider geben wir hier zum Waschen ab (5 USD pro Sack). Die Dusche ist erfrischend, jedoch sehr beengend, da es im selben kleinen Raum nicht nur eine westliche WC-Schüssel (für mich) hat, sondern auch noch eine Stehtoilette (Loch im Boden - für Lucia ;-) hat). Beim Duschen stösst man entweder das Knie an der WC-Schüssel oder man muss aufpassen, dass man die Stehtoilette runter fällt.

So, nun möchten wir das Quartier auskundschaften. Kaum laufen wir um die Ecke stehen wir auch schon vor dem Hotel Forough House, das wir im Internet gefunden haben und wir eigentlich geplant haben abzusteigen! Der wunderschöne sandfarbene Innenhof ist umgeben von einem zweistöckigen neuen Komplex. Der Rezeptionist Farzad spricht relativ gut Englisch und zeigt uns gerne ein Zimmer. Wir erklären ihm, dass die Taxifahrer noch nie etwas von diesem Hotel gehört hätten und wir es deshalb nicht gefunden haben. Es sei eben sehr neu und die Webseite noch nicht fertig. Wir buchen gleich ein Doppelzimmer mit Bad für die nächste Nacht (35 USD).

Entlang einem Lichter-Tunnel kommen wir zum Holy Shrine Shah-e-Cheragh zu Ehren des gleichnamigen Martyrer. Zuerst müssen wir unsere Tagesrucksäcke am Deposit-Schalter abgeben, dann müssen wir uns einen Chador besorgen. Wir fragen bei den kleinen Läden direkt bei der Moschee nach, wie wir zu einem Chador kommen. Es grosses hin und her entsteht - ein Laden will 100'000 Rls von uns, bei der Rückgabe des Stoffes bekommen wir 80'000 zurück, ein anderer Laden will grad einfach 100'000 von uns. Dann werden wir aber von einem älteren Herrn zum Informations-Schalter geschickt, dort werden wir angewiesen auf einen Guide zu warten. Zu unserer Freude ist der Guide eine junge sehr nette Frau. Für unseren Besuch in der Mosche erhalten wir den Chador kostenfrei. Das übergrosse "Bettuch" muss unsere Haare verdecken und den Körper so umschlingen, damit die Silhouette nicht mehr erkennbar ist. Zum Glück hilft uns die Frau das Ding zu "montieren". Der vordere Teil der Moschee ist neu und wurde erst vor zwei Jahren eröffnet.


Der Chador kommt den iranischen Frauen definitiv besser als mir.

Der ältere Teil mondäner und damit eindrücklicher; Marmor, Teakholz, Glas, Spiegeln, viel Gold und Silber, vielen farbige Kacheln wurden hier rund um das Grabmal verbraucht. 12'000 Leute passen in die Moschee. Es dunkelt langsam ein und überall gehen die Glühbirnen an, die ein sanftes Licht auf die farbigen Fassaden werfen. Die junge Frau führt uns herum und erklärt uns Architektur und Geschichte. Ich dachte eigentlich, die Frau begleitet uns, weil wir Ausländer uns nicht alleine im Komplex aufhalten dürfen; dem ist jedoch nicht so. Nach einer Stunde überlässt sie uns selber wir geniessen die schöne Stimmung.


Spaziergang kreuz und quer durch die Strassen - Freitag, 25. Mai 2017

Lautes Kindergeschrei weckt uns. Mamaaaa, Mamaaaa schreit es im Innenhof. Es scheint sich Niemand dafür zu interessieren. Lucia entdeckt das Kind auf dem Thron (WC), das anscheinend Hilfe bei der Hygiene benötigt. Lucia erbarmt sich seiner ... nicht. :-) Irgendwann kommt die Mama dann angeschlürft ...

Unsere trockene Wäsche hängt im Innenhof. Ich hole die Wäsche von der Wäscheleinen ... oha lätz! Da kommt die Frauen des Hauses auf mich zugestürmt: First money, after cloths back (zuerst das Geld, dann Kleider)! No Problem und dann werden die Kleider einfach in einen Sack gestopft. Die Blusen sind total zerknittert, deshalb werden auf meine Bitte hin diese noch gebügelt.

Zum Frühstück gehen wir ins Schwester-B&B Taha One. Wir werden werden von einer sehr freundlichen jungen Frau herzlich begrüsst und angestrahlt - Guten Morgen! Es gibt Tee, Brot, Cream Cheese und eine Kiwi. Ein paar weitere Touristen (Italiener, Holländer und ein Paar aus Malaysia) frühstücken mit uns.

Nun freuen wir uns auf unser Boutique Hotel Forough. Im Taha Two holen wir unser Gepäck und schon sind wir weg. Im Forough werden wir von der sehr hübschen Shiva mit den dunklen Augen freundlich begrüsst. danach machen uns auf den Weg zum Arg-e Karim Khan, das alte Fort beim Shohada Square. Der Eintritt ist auch hier 200'000 Rls, wie alle anderen Sehenswürdigkeiten, die nicht gratis sind.

Entlang dem Fort, auf der Westseite, gibt es einen Park sprich Fussgängerzone. Dort ist auch die Tourist Information stationiert. Das Licht brennt aber Niemand besetzt den Posten hinter der Glasscheibe. Dort sehen wir auch den den Stadtplan, den wir gerne möchten er bleibt aber unerreichbar. Der südwestliche Turm des Forts steht ziemlich schief. Die Mauer ist geflickt und auf der Innenseite des Turmes haben sie einen Metallring zum Stützen angebracht. Die Dekoration, die mit den versetzten hellen und dunklen Backsteinen erzielt wurde, sieht sehr abendländisch aus. Der Innenhof hat verschiedene kleinere und einen grossen langen Pool, die von schattenspendenden Bäumen umringt sind. Die Wände sind mit traditionellen Bildern bemalen, traditionelle militärische Kleider werden an Puppen zur Schau gestellt und im Untergrund hat es ein grosses Marmorbad.



Die Tourist Information ist immer noch verlassen, doch wir finden uns auch ohne Stadtplan zurecht. Wir finden grossen Vakil-Bazaar, unmittelbar neben einer weiteren Moschee. Die bemalten Kacheln an den Wänden sind wunderschön, ganz feine Arbeit. Die renovierte Karavanserei (wo früher die Karavanen mit ihren Kamelen abgestiegen sind) beeindruckt ... es sieht aus, als würde gleich eine Karawane kommen um sich von den Reisestrapazen zu erholen. Ein Café, wo viele westliche Touristen im Schatten der Pflanzen und Bäumen sitzen, lädt zum verweilen ein. Das Gewölbe des Bazaars ist beeindruckend und aufgrund der speziellen Bauweise angenehm kühl. Im Bazar kann man so ziemlich alles kaufen, von Teppichen, zu Schuhen, Gewürzen, Messingtöpfen und vieles mehr.



In einer Seitengasse finden wir einen Strassenverkäufer, der frische Falafel macht. Ein kühles Cola dazu ... mhhhh, fein.

Für eine Siesta und um der Hitze etwas zu entgehen (um die 33° - und natürlich nicht im Trägershirt und Sandalen, sondern in iranischer Vollmontur) gehen wir zurück ins Hotel. Endlich können wir unser kleines Zimmer geniessen, indem wir uns sofort wohl fühlen. Die Wände sind aus sandfarbigem Sichtbackstein und teils mit traditionellen Details dekoriert. Das Bad brandneu und es hat sogar eine Tasse beim Lavabo für die Zahnbürsten (über was man sich alles freut, wenn es für längere Zeit nicht mehr zur Verfügung steht. Zudem ist das Zimmer mit Minibar inkl. gratis Wasser ausgestattet. Klimaanlage, Fernseher und Wifi runden das "fürstliche" Angebot ab.

Erst gegen 20.00 Uhr gehen wir wieder in Richtung Shohada Square unterwegs. Entlang der Hauptstrasse Karim Khan Zand Blvd hat es viele Geschäfte. Wir suchen das Peyma Bus Büro um unsere Weiterreise zu organisieren. Das scheint aber nicht mehr zu existieren. Wir gönnen uns wieder einmal einen frischen Saft - die sind sehr erfrischend und kühl. Am kleinen BBQ Stand an der Strasse sehen wir frische Poulet am Grill. Die Mama spricht uns freundlich an, kann ein bisschen Englisch und wir entscheiden uns spontan dort zu essen. Es gibt Salat und Poulet Kebab mit Brot. Die Mama erzählt uns, sie habe drei Kinder und sie sei ursprünglich aus Russland. Sie spricht ziemlich abfällig über die Iraner oder ihren Ehemann ... wir sind etwas irritiert. Auf der Strasse findet grad noch ein lautstarker Zwist zwischen zwei Frauen statt. Scheinbar hat die eine Frau den kleinen Jungen der anderen Frau an der Schulter angefasst.

Wir bezahlen dann und gehen wieder in unsere Oase zurück. Es ist herrlich draussen vor dem Zimmer zu sitzen. Die Temperaturen sinken am Abend angenehm, so dass das Schwitzen ein Ende nimmt. Ach übrigens, es gibt einen Vorteil ein Kopftuch zu tragen: You never have a bad hair day!


Kultur und komische Begegnungen mit Männern - 26. Mai

Wir haben herrlich geschlafen. Um 09.00 Uhr ist Tagwache - im schönen Innenhof steht ein Frühstücksbuffet mit hausgemachten Konfitüren, Toastbrot und Toaster, Ash, die lokale Frühstückssuppe, Käse, Feigengutzli und Datteln, Kaffee und Tee.

Das nette Girl an der Rezeption bucht uns den Peyma VIP Bus für die morgige Weiterreise. Zudem erklärt Sie uns, wie wir mit dem Bus zum Eram Garden kommen. Zu guter Letzt schenkt Sie uns sogar noch zwei 5'000 Rial-Münzen für den Bus. Wow, danke!

Wir gehen also über die Strasse und nehmen den Bus Nummer 1 Richtung Namazi Square. Auch hier müssen wir im hinteren Teil (nur für Frauen) einsteigen. Bezahlen können wir also erst wenn wir aussteigen, d.h. der Busfahrer wartet bis man aussen rum gesprungen ist und ihm das Geld reichen kann. Hui, ich habe mich in den Bushaltestellen verzählt, deshalb verpassen wir die Haltestelle und müssen dann ein bisschen zurück laufen. Dafür finden wir einen super schönen Laden mit modernen Mänteln oder wie sie im Iran genannt werden "Manto". Der Laden ist sehr gross und gekühlt - endlich hat man mal Platz ausgiebig die Kleider anzuschauen und auch zuprobieren. Ich finde gleich zwei schöne Exemplare, denen ich nicht wiederstehen kann (je ca. 1'300'000 Rials). Jetzt machen wir uns auf den Weg zum Eram Garden. Der Eintritt für Touristen ist wiederum 200'000 Rls, für Iraner nur 40'000 Rls. Im Kakh-e Eram Palace hat es einen kleinen Shop mit Getränken, Honig und anderen Süssigkeiten und im Nebenraum werden kitschige Staubfänger-Souvenirs verkauft. Im Schatten ist es angenehm durch die Gartenanlage zu spazieren. Es hat viele Rosen und farbige Blütenprachten, Palmen und Büsche und überall Wasserläufe. An einem kleinen Wasserkanal baden die Iraner ihre Füsse und wir machen es ihnen nach. Herrlich!


Der wunderschöne Eram-Palast wie aus 1001 Nacht.

Erfrischt und erholt laufen wir durch den den herrlichen Azadi Park. Viele Familien und Freunde picknicken oder grillieren sogar. Wir wundern uns gerade, ob denn der Ramadan noch nicht begonnen hat - ah nein, erst morgen beginnt die muslimische Fastenzeit.

Unterwegs kaufen wir in einem kleinen Supermarkt Jogurt, Snacks und noch Flüssigkeit gegen den Durst. Beim Gemüse- und Früchte-Stand ein paar Schritte weiter entscheiden wir uns für eine eine kleine Wassermelone. Kurz vor unserem nächsten Ziel finden wir in einem weiteren Park ein altes Fabrikgebäude, das in eine Kunst-Galerie umgebaut wurde. Die Metall Skulpturen erinnern uns an Tinguely. Wir finden einen Platz auf dem grünen Rasen und geniessen unseren Lunch.

Gleich neben dem Areal der Galerie ist dann auch endlich das Hafez Mausoleum, das wir als nächstes Besuchen. Eintritt kostet für ausländische Touristen - wie immer - 200'000 Rls.

Das Grabmal des berühmten Poeten (1325-1389) liegt in einem schönen und friedlichen Garten. 1935 hat man hier einen achteckigen Pavillon mit Säulen gebaut und auf der Plattform liegt der lange Grabstein, auf dem eines seiner berühmten Gedichte eingraviert ist. Die Decke des Pavillons ist reich dekoriert. Hafez ist ein Iranischer Volks-Held und viele Iraner zitieren seine Ferse noch heute zu feierlichen Gelegenheiten.


Das Mausoleum ist einen wunderschönen kleinen Park eingebetet.

Wir sitzen lange auf den Treppen vor dem Pavillon. Besucher kommen und gehen, Fotos werden gemacht und plötzlich setzt sich ein junger Mann neben uns, sein Kollege steht vor uns, bereit ein Foto zu schiessen. Hey, fragen wäre doch das mindeste, gäll! Die Männer sind aber generell zurückhaltend, nett und anständig.

Auf dem Weg zurück ins Hotel hörten wir Stimmengewirr und Geplantsche. Das hört sich nach einem Schwimmbad mit vielen Besuchern an. Wow durch eine kleine Lücke in der über 2m hohen Mauer sehen wir tatsächlich ... einen grossen rechteckigen Swimmingpool! Wir trauen unseren Augen fast nicht ... oh mein Gott (oder eher: Oh mein Allah!). Natürlich sind es nur Männer, die herum plantschende, schwimmen und am Poolrand plaudern. Frechheit ... und wir Frauen müssen total verpackt in der Hitze dahinschmelzen.

Ich weiss nicht, ob es an der Hitze oder am tiefen IQ (nicht meiner) liegt. Auf dem Rückweg zum Hotel wurden wir mehrere Male dumm angemacht. Junge Männer schreien irgendwelche Sprüche aus dem fahrenden Auto, die klar an uns gerichtet sind (nach einem Kompliment hörte es sich nicht an). Danach wurde ich von einem einem komischen Typen im Vorbeigehen in meinen Hintern gekniffen. Ein generelles No-go und im Iran definitiv ein No-go. Als ich lautstark reklamierte, blieb er in etwas Entfernung stehen und schaute mich mit seinen durchgeknallten Augen an ... ich glaube, der war auf Drogen. Gleich darauf bewarfen uns kleine Jungs mit kleinen Steinen und sind dann davon gerannt. Einer hat so getan als würde er sich bei Lucia entschuldigen und versuchte sie dann anzufassen. Am Liebsten hätte sie ihm die Ohren langziehen wollen.

Aufgrund des muslimischen Sonntags (Freitag) hat es ziemlich wenig Strassenverkehr, deshalb ist es für einmal einfach die Strassen zu überqueren. Die sonst recht freundlichen Iraner sind nämlich im Auto kleine Raudis und würden niemals für einen Fussgänger halten.

Zum Glück sind die Trottoirs relativ breit und vielerorts gibt es schöne pflanzengesäumte Promenaden.

Schon fast zurück im Hotel machen wir noch einen Stopp im Saft-Laden (also der mit den Früchten). Lecker! Noch Popcorn kaufen als Zwischenverpflegung für die morgige Fahrt, dann geht es zurück in unsere Oase.Den Abend geniessen wir im friedlichen Innenhof.

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Ich bin eine leidenschaftliche Globetrotterin und bereise meist individuell mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln spannende Länder.

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