• Conni

Perth - meine Herzens-Stadt

Aktualisiert: Feb 24

Perth hat eine massive Anziehungskraft auf mich. Es gibt keine aussergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten, aber die 2-Millionen-Stadt hat mich mitten ins Herz getroffen. Sie bietet alles, was ich mir wünschen könnte: angenehmes Klima mit viel Sonnenschein, spannende kulturelle Angebote, Wasser (Fluss und Meer), viele Grünflächen usw. Da ich so richtig Zeit in Perth hatte, habe ich alles, was sich irgendwie spannend angehört hat, ausprobiert. Leider nahm aber mein Aufenthalt in Australien ein ziemlich abruptes Ende.

Montag, 3. Februar - Abenteuer beginnt bereits bei der Anreise

Am Vorabend vor meiner Abreise entschied ich mich spontan doch noch einen früheren Zug zu nehmen, damit ich mit meinen Eltern am Flughafen noch gemütlich was trinken kann, die mich noch verabschieden möchten und natürlich sich vor Ort alles genau ansehen möchten, damit sie dann bei ihrer Abreise in 2 1/2 Wochen wissen, wo sie einchecken müssen. Ein weiser Entscheid (also ich meine den früheren Zug zu nehmen). Als der Radio-Wecker um 05.30 Uhr die Nachrichten ausstrahlte, checke ich erneut die Abfahrtszeit auf dem SBB-App und oha lätz, da leuchted einiges rot auf. Streckenunterbruch zwischen Baar und Thalwil. Toll! Es wird eine Umleitung mit S-Bahnen angegeben, dafür ist man etwas später am Ziel. Somit werde ich (hoffentlich) rechtzeitig am Flughafen ankommen und dem war dann auch so ... wenn auch mit viermal umsteigen und somit beginnt die "Weltreise" eigentlich bereits in der Schweiz.

Am Flughafen angekommen treffe ich auf Papi. S'Mami hat es ins Bett "gschletzt" - Magendarm. Ojemine! Ich habe über die Swiss-Seite den Flug gebucht - jedoch führt den Flug die Singapore Airline durch. Ich dachte trotzdem, ich könnte am Schalter der Swiss einchecken, also stehen wir in der mittellangen Warteschlange an. Irgendwie kommt es mir komisch vor und ich frage die nette Dame bei den Check-in Terminals, ob ich eigentlich richtig anstehe. Ja, ja, wenn ich bei Swiss gebucht habe, dann ist alles in Ordnung. War es eben nicht. Beim Schalter angekommen sucht die Dame wie verrückt im Computer nach meinem Namen ... ob ich sicher sei, dass ich heute fliege? Ja! Ob ich wirklich mit Swiss fliege? Nein, Singapore. Aha, dann muss ich bei Singapore einchecken (was ja eigentlich auch logisch ist ... komme mir vor, als würde ich das erste Mal reisen). Dann ab zur Schalterhalle 2. Einchecken klappt wunderbar und mir wurde auch bestätigt, dass mit meinem Visum alles in Ordnung ist. Da fällt mir ein kleinerer Stein vom Herzen, denn ... Also, als ich das Visum im Herbst Online beantragte, wurde auf der Homepage informiert, dass die Erteilung des Visums im Schnitt 20 Tage dauert. Okay, wartete ich auf eine Mail in ca. 20 Tagen. Da kam aber nix. Komisch. Ich ging noch mal meine Mails durch und bemerkte, dass unmittelbar nach Beantragung des Visums bereits eine Bestätigung eingegangen mit Status "approved" (genehmigt). Ooookay, wie kann das denn sein? Ich habe dann die Bestätigungsmail noch einer Kollegin geschickt, die also auch meinte: Moumou, das Visum sollte in Ordnung sein (Danke, Anita!). Und nun habe ich am Flughafen die definitive Bestätigung! Uff!

So, nun noch einen Anruf bei Mami, die mehr tod als lebendig (naja, so schlimm ist es auch wieder nicht) mit mir kommuniziert. Wir sehen uns ja schon bald und so verabschiede ich mich auch noch von Papi, der eine Sorgenfalte mehr im Gesicht hat, da sein Orientierungssinn ihm sagt: Den Eincheck-Schalter findest du nie wieder in deinem Leben! Hey, das schafft ihr schon ... es ist noch nie Jemand im Flughafen verloren gegangen ... oder doch? ;-)

Mit dem A380 (ein Monster von einem Flugzeug!) geht es während etwas weniger als 12 Stunden nach Singapore. Der Flug war super ruhig - keine einzige Turbulenz und der Start und die Landung waren butterweich. Ich habe mir vorgenommen, nicht zu schlafen, doch während zwei Stunden war ich dann doch ins Traumland abgedriftet.


Dienstag, 4. Februar - die Sache mit dem Schmutz an den Schuhen

In Singapore sind wir eine Stunde früher als geplant angekommen, so dass ich fast drei Stunden Zeit für den Transfer hatte. Von Singapore ging es dann weiter nach Perth - auch hier gebe ich dem Piloten die Note 6. Im Flugzeug musste ich noch das Zoll-Formular ausfüllen und u.a. angeben, ob ich irgendwelche Nüsse mitführe. Hmm, ich weiss, ich habe Schokolade und Pralinés dabei, die sicherlich Nüsse enthalten. Soll ich das angeben? Als dann im Flugzeug die Durchsage kam, dass man wirklich alles angeben soll und man sich beim Erwischt werden nicht auf eine blöde Entschuldigung verlassen kann, kam ich ins schleudern. Zudem wurde darauf aufmerksam gemacht, dass bei mitgeführten Schuhen kein Schmutz/Erde dran sein darf ... da war die Kacke am Dampfen (muss grad selber laut lachen - ja, jetzt kann ich darüber lachen). Ich hatte meine neuen Wanderschuhe einmal ausprobiert und natürlich waren die danach schmutzig. Ich habe, soweit es ging, den Schmutz mit Schraubenzieher und Bürste entfernt, mir aber nicht die Mühe gemacht, die Schuhe noch unter den Wasserhahn zu halten ... hätte ich doch bloss! Also, ich entschied mich, das Kreuz bei "führen Sie Nüsse mit" von Nein auf Ja zu wechseln und schrieb dazu aber auch noch das Wort "Schokolade", damit jedem Zollbeamten klar ist, dass es nun wirklich nicht so schlimm ist .... und bei den "führen Sie Schuhe mit Dreck mit" das Nein stehen gelassen. Erklärung dazu: Jemand erzählte mir vor meiner Abreise von der TV-Serie, wo Passagiere am Zoll aufgehalten und ausgefragt werden. U.a. wurden einer Frau die Wanderschuhe abgenommen, da diese schmutzig waren ... ich wollte aber keinesfalls meine Wanderschuhe an den Zoll "verlieren". Bei der Ankunft in Perth und der erfolgreichen Migration (als Schweizer kann man durch die automatisierte Passkontrolle (Pass und Gesicht werden gescannt)), ging es danach ab auf die Behinderten-Toilette (sorry, mache ich sonst nie, aber hier hatte ich wenigstens genügend Platz um den Koffer zu öffnen - ach ja, ich bin diesmal mit Koffer unterwegs ...) und holte die Wanderschuhe heraus. Tja, die sehen gar nicht so schlecht aus wie ich sie in Erinnerung hatte. Kaum ein Schmutz-Krümel vorhanden. Hielt sie aber trotzdem noch unter den Wasserhahn. Wieder alles einpacken und mit Unschuldsmiene durch den Zoll. Ein Herr nahm mein Formular in Augenschein und fragte mich, ob ich alleine Reise und schaute mich von oben nach unten an und umkreiste den Punkt betreffend dem "Schuhe und Schmutz". Ich hatte mich vorher noch von winterlich warm zu sommerlich luftig umgezogen und stand also in T-Shirt, kurzen Hosen und Rucksack da und sah natürlich so aus, als würde ich in Australien auch die eine oder andere Wanderung machen. Er schickte mich in die Linie "hier wird kontrolliert". Hilfeeee ... das kommt nicht gut raus ... scheisse, was habe ich bloss getaaaaan? Der nächste nette Herr fragte mich: Only chocolate? Nur Schokolade? Yep! Gut, dann könne ich durchlaufen. YES! Australien, ich komme ... definitiv!

Lorraine, meine Kollegin, die ich seit meinem Aufenthalt in Australien im 2004/2005 kenne, holt mich am Flughafen ab. Wie nett ist das denn! Thanks, Lorraine! Raus aus dem Flughafen, wo mich 41 heisse Grad erwarteten!

Wir fahren die 20 Minuten mit ihrem alten Ford "Modell unbekannt" nach East Perth zu meiner gemieteten Airbnb-Wohnung. Der Vermieter Mark heisst uns vor dem Haus Willkommmen und zeigt uns das zweistöckige Loft im 18 Stock, praktisch mitten in Perth. Parterre: WC mit Waschturm, voll ausgestattete Küche, Wohnzimmer, Balkon mit Blick gegen Norden und seitlich blickt man auch zum Swan River, zudem sieht man direkt auf den Pool, im 1. Stock das offene Schlafzimmer mit angrenzendem Bad. Perfekt! Die Klimaanlage wurde sofort in Betrieb genommen. Ich fühle mich hier sofort pudelwohl. Da das Appartment auch noch einen Parkplatz in der Tiefgarage bietet und Lorraine mich sicherlich ab und zu besucht, zeigt uns Mark noch, wie man den Garagenplatz findet.

Nach einer erfrischenden Dusche ging es zur Wohnung von Lorraine, wo sie sich von ihren Arbeitskleidern (sie arbeitet in einem Tourismusbüro - davon dann noch mehr) entledigte und sie sich in ein sommerliches Tenü schmiss. Die 2-Zimmer-Wohnung liegt auf der anderen Seite des Flusses und bietet einen tollen Blick auf die Skyline von Perth. Nun gehen wir in ein naheliegendes Café mit einer Garten-Terrasse, wo wir im etwas kühleren Schatten ("kühl" wäre definitiv übertrieben) einen Beeren-Shake geniessen. Dann geht es zu Coles (analog Migros) zum Grosseinkauf. Da mich Lorraine fährt, kann ich grad einen Wocheneinkauf tätigen und fülle entsprechend den Kühlschrank. Anschliessend geht es noch zum Bottle-Shop, wo man Alkohol kriegt. Also, Alkohol erhält man in Australien nur in diesen Bootleshops oder in lizenzierten Restaurants. Kein Tankstellen-Shop oder eine Ladenkette darf Alkohol anbieten. Wir decken uns also mit alkoholischen Süssgetränken und Rotwein (für unseren geplanten Spaghetti-Abend) ein. Zurück in "meiner" Wohnung gönnen wir einen kühlen Drink auf der Terrasse und geniessen die Aussicht und die Sicht auf Nachbars Balkone ... Irgendwann meldet sich der Hunger und wir trotten zum Thai vis-à-vis. Nun macht sich bei mir langsam die Müdigkeit breit - in den letzten 36 Stunden habe ich kaum 5 Stunden geschlafen. Also, ab ins Bett und hoffen, dass der Jetlag nicht zuschlägt.


Mittwoch, 5. Februar - Schreck lass nach

Oh doch, der Jetlag war definitiv ein Thema. Habe tiptop von 21.00 Uhr bis Mitternacht geschlafen. Dann wollte es einfach nicht mehr weiterschlafen - für meinen Körper war es ja auch erst 17.00 Uhr. Als ich merkte, dass das mit dem einschlafen nichts mehr wird, machte ich die Nachttischlampe an und kriegte grad mal einen gehörigen Schreck - das Kunstobjekt in der Ecke des Schlafzimmers, das ein sitzendes Mädchen mit hängenden Kopf auf den Knien darstellt, machte auf mich einen so echten Eindruck, dass ich doch tatsächlich dachte, ein echtes Mädchen sitzt da in der Ecke. Jetzt war erst recht nicht mehr an Schlafen zu denken.

Ich nahm also alle Prospekte, die mir Lorraine aus ihrem Touristen-Büro mitgebracht hat, ins Bett und studierte diese. Einige spannende Sachen markierte ich im Google Maps und machte Notizen dazu. Um 04.00 Uhr machte ich das Licht wieder aus und ungefähr eine Stunde später konnte ich endlich wieder einschlafen. Dann um 10.00 Uhr der nächste Schreck! Eine Stimme meldete: "Attention please, Achtung, wir testen den Feueralarm. In den nächsten Minuten geht der Feueralarm los, den Sie jedoch ignorieren können." Es dauerte eine Weile, bis ich checkte, dass die Stimme tatsächlich aus dem Feuermelder kommt und nicht Jemand in meiner Wohnung stand. Uff ... und dann machte es: Täääääääät, täääääääät, tääääääät! Superlaut ... der Feueralarm funktionierte also einwandfrei und das war definitiv mein Weckruf. Es war auch höchste Zeit. Raus aus dem Bett, ich wollte eigentlich bei Morgentemperaturen in die Stadt laufen. Nun sind es halt Mittagstemperaturen.

Nach einem kleinen Frühstück auf dem Balkon machte ich mich zu Fuss ins Zentrum - es sind gerade mal 20 Minuten. Die Strasse ist gesäumt von altehrwürdigen Häusern und Wolkenkratzern ... die alten Häuser sehen etwas merkwürdig in den Häuserschluchten aus.

Alles kam mir sofort wieder bekannt vor. Ich konnte mich gut orientieren und lief zielstrebig zu Woolworth (analog Coop), wo ich mich mit Sonnencreme und ein paar Food-Sachen eindeckte. Ich lief entlang der Fussgängerzone und entdeckte allerhand neue Läden. Vor dem grossen altehrwürdigen Postgebäude blieb ich dann etwas verwundert stehen. H&M prangerte über dem grossen Toor. Ups, auch hier macht wohl die Reorganisation keinen Halt und die Hauptpost hat sich anscheinend aus dem Staub gemacht um einem riesigen Kleiderladen Platz zu machen. Bei meinem Perth besuchen im 1997 und 2000 nahm ich hier jeweils handgeschriebene Briefe in Empfang (ja, es gab mal eine Zeit ohne Internet), die mir meine Familie und Freunden aus Europa zuschickten. Post Restante ... lang ists her und etwas wehmütig vermisse ich diese Art von Kommunikation.

Mit dem Gratis-Bus (alle Busse im und rund ums Zentrum sind Gratis) ging es zurück in die Wohnung. Ich legte mich noch etwas an den Pool, bevor ich zum Büro von Lorraine gleich neben dem berühmten Bell Tower laufe. Komisch, dass ich diesen Bell Tower nicht schon von weitem sehen konnte. Kein Wunder, der wurde komplett zugebaut. Links und rechts davon türmen sich nun Hochhäuser mit Luxus-Hotels und -Wohnungen.

Im kleinen Touristen-Büro an bester Lage, nämlich grad neben der Schiffsanlegestelle, arbeitet Lorraine seit drei Jahren und beratet Touristen und organisiert für Übersee-Touristen-Gruppen Ausflüge. Zurzeit ist es ziemlich ruhig ... die ganzen Chinesengruppen bleiben aufgrund des Corona-Virus fern. Die Arbeitskollegin von Lorraine nimmt uns mit ihrem Auto zu unserem abendlichen Ziel: "On the point", ein Komplex mit verschiedenen Restaurants direkt am Fluss. Wir wundern uns darüber, dass wir die einzigen Gäste sind und bestellen einen Cocktail-Krug und geniessen diesen ... und dann auch noch einen zweiten (Personal muss ja schliesslich was zu tun haben) bei Sonnenuntergang und unterhalten uns prächtig.

Wir laufen dann durch einen dunklen kleinen Park zurück und geniessen unterwegs noch ein fantastisches indisches Menü.


Donnerstag, 6. Februar - Boots-Tour und Musical-Besuch

Naja, der Jetlag hat mich noch immer fest in den Klauen. Von 23.00 bis 02.00 Uhr tiptop geschlafen (und diesmal nicht einmal durch die Kinder-Statue erschreckt worden), danach konnte ich erst wieder um 05.00 Uhr einschlafen, dafür habe ich den Schlaf des Gerechten bis um 11.00 Uhr durchgezogen. So, ab morgen muss das anders werden und ich werde einen Wecker stellen ... kann doch nicht immer den halben Tag verschlafen.

In der jetzigen Wohnung kann ich nur bis nächsten Dienstag bleiben, da diese danach wieder vermietet ist, also kümmere ich mich nun um eine neue Bleibe. Ich habe eine Wohnung/ein Zimmer in strandnähe in Erwägung gezogen, aber mir gefällt es so gut in der Stadt und habe noch einige unverwirklichte Pläne, so dass ich mich wiederum für eine Stadtwohnung resp. diesmal für ein Zimmer entscheide, um mein Budget zu entlasten. Keine 500m von der jetzigen Wohnung (näher zur Stadt hin) bietet Glenn ein schönes Zimmer mit eigenem Bad und Balkon mit direkter Flusssicht an. Die 3-Zimmer-Wohnung befindet sich in einem Hochhaus mit 29 Stockwerken und auf dem Dach gibt es auch noch den höchstgelegenen Pool in Perth. Genau mein Ding und grad gebucht!

Lorraine hat bereits den Nachmittag und Abend verplant - sie sprudelt nur so vor Ideen. Sie hatte Morgen-Schicht und kann bereits um 15.00 Uhr den PC abstellen. Ich hole sie wieder ab und wir gönnen uns zur Feier des Tages ein feines Glace, bevor es dann auf die 11-plätzige Little Ferry geht, die uns entlang der Skyline in ein nobles Viertel von Perth bringt.

Da Lorraine viele Kunden an Little Ferry vermittelt, dürfen wir kostenlos fahren - es wird eine richtige VIP-Tour, da wir zudem die einzigen Gäste sind. Der junge Bootsführer informiert uns in typischer unterhaltsamen Tourführer-Manier über Wichtiges und weniger Wichtiges. Zudem bestreitet er noch ein kleines Privatkonzert mit dem Didgeridoo. Endstation ist die Claisebrok-Cove, wo sich in einem kleinen Seitenarm des Swan-Rivers die etwas betuchteren Einheimischen eine Bleibe posten können. Das teuerste Apartment von über 27 Mio AUD (ca. 18 Mio CHF, ca. 16 Mio EUR) ist hier zu finden.

Auf einer Restaurant-Terrasse machen wir es uns gemütlich und geniessen ein Panaché und später noch ein frühes Abendessen. Denn der nächste Punkt steht schon auf dem Programm: Im Rahmen des Festivals "The Fringe" wird eine spezielle Jane Austin-Adaption aus einem Mix aus Musical und Improvisationstheater gespielt. Ein paar Häuserblocks die Strasse runter befindet sich die alte "Girls School", die nun als Kultur-Haus fungiert. Die 50 minütige Vorstellung war unterhaltsam, auch wenn ich nur etwa die Hälfte verstand. Zum Glück kenne ich das Muster von Jane Austins Büchern (Frau will Mann oder eben doch nicht, möchte auch unabhängig bleiben und am Schluss gibt es ein HappyEnd oder auch nicht - eben wie im echten Leben), so dass ich wenigstens der Geschichte folgen konnte.


Freitag, 7. Februar - 21'812 Schritte, Kunst & Picknick

So, damit der Jetlag bald kein Thema mehr sein wird, habe ich den Tipp von Lorraine umgesetzt, den Handy-Wecker auf 09.00 Uhr zu stellen UND das Handy im Wohnzimmer einen Stock tiefer hinzulegen, so dass ich um 09.00 Uhr aufstehen muss und mich nicht noch 7x drehen und immer wieder denke kann: Noch 10 Minuten ... noch einmal 10 Minuten ... ah, es ist so schön kuschelig im Bett, nochmal 10 Minuten. Nein, ich muss aufstehen und die Wendeltreppe hinunterlaufen und so ist mein Kreislauf bereits in Schwung, dass ich mich nicht mehr hinlegen möchte ... zudem habe ich heute ein dichtes Programm (eigentlich habe ich ja Ferien ...). Nach einem gemütlichen Frühstück auf dem Balkon - es herrscht wieder herrliches Wetter, jedoch ist es nicht mehr ganz so heiss - laufe ich in die Stadt und finde den Weg ohne Hilfe des Navis zum Kunstmuseum, wo ich bei meinen vergangenen Besuchen immer wieder spannende Kunst entdeckt habe. Vorallem die Punkt-Kunst der Aboriginal-Künstler haben mich immer sehr fasziniert und ich habe mich sogar auch mal daran versucht. Ich schleiche also durch den ziemlich herunter gekühlten Betonbau und schaue mir die mehr oder weniger (eher weniger) spannende Kunst an. Ein paar Ureinwohner-Bilder sprechen mich an, aber ansonsten habe ich es nach einer Stunde gesehen - die alten dunklen Ölbilder aus dem 17. bis 19. Jahrhundert lasse ich links liegen.

Gleich neben dem Kunstmuseum befindet sich das neue West-Australien Museum, das sich noch im Bau befindet. In diesen Monster-Bau wird ein altes Sträflings-Gebäude aus der Kolonialzeit (anno 1854) integriert und erhält ein Dach über dem Dach. Wahnsinn!

Ich schlendere danach durch das angrenzende Northbridge-Viertel, das klassische Ausgeh-Quartier (analog der Langstrasse in Zürich) von Perth. Restaurants und Bars wechseln sich ab. Das Quartier hat aufgrund der hohen Kriminalitätsrate einen ziemlich schlechten Ruf - doch während dem Tag ist es absolut okay. Ich laufe zurück zum Stadtzentrum, vorbei an der ca. 4m grossen schmalen Statue vom Ureinwohner Yagan, der im Konflikt mit den Siedlern anno 1833 umgebracht wurde, sein Kopf von den Briten abgetrennt und geräuchert und nach England verfrachtet wurde, wo der Kopf in einem Keller eines Museums über 150 Jahre lang ein trauriges dasein fristete. Schliesslich wurde der Kopf den Ureinwohnern von Australien zurück gegeben und diese haben die sterblichen Überreste beerdigt. Eine grauslige Geschichte. Die Integration der australischen Ureinwohnern ist auch heute immer noch ein Brennpunkt-Thema. In den Städten trifft man auf Aborigines, die jedoch meist in Lumpen herumlungern und dem Alkohol verfallen sind. Die Ureinwohner sind gefangen zwischen zwei Welten - in ihrer alten Welt und in der westlichen Welt und in keiner der zwei Welten kommen sie zurecht. Ein sehr trauriges Thema, für das anscheinend Niemand eine Lösung parat hat.

Ich laufe zurück zu meiner Wohnung und wollte mich eigentlich noch an den Pool legen, aber heute weht ein ziemlich kühler Wind, so dass ich mich in der Wohnung und auf dem Balkon mit Blog-Schreiben beschäftige.

Gegen Abend mache ich mich zu Fuss zur Wohnung von Lorraine. Dazu muss ich den Swan-River überqueren und danach auf einem Park-Pfad dem Fluss entlang laufen. Ich habe etwas über eine Stunde und verdopple mein normales Tagesziel um 10'000 auf 20'000 Schritte (horrai!!). Ich bin ziemlich fertig und muss mich grad mal kurz erholen. Ich lerne den sympatischen Freund von Lorraine - Phil - kennen. Wir machen uns auf zurück in den Park, wo sich ein paar Food-Wagen versammelt haben. Wir entscheiden uns für einen libanesischen Mix-Teller mit Hummus, Salat, Falaffel usw. (also, das "usw." habe ich nur geschrieben, weil ich mich an die weiteren Beilagen nicht mehr erinnern kann). Wir setzen uns ans Ufer vom Fluss, direkt gegenüber der Skyline. Der Himmel verfärbt sich lila und blau - ein wahnsinnig schöner Anblick. Danach gehen die Lichter der Hochhäuser an und ich bin fasziniert von diese Lichtern, die weit in den Himmel ragen.

Wir geniessen zwei Flaschen Wein und unterhalten uns prächtig. Ich wurde überhaupt von Lorraine so nett empfangen und sie unternimmt mit mir so viel Spannendes. Thank you, Lorraine! Die beiden bringen mich mit dem Auto von Phil noch sicher Hause.


Samstag, 8. Februar - zurück in die Vergangenheit

Um 10.00 Uhr verlasse ich die Wohnung und laufe zum City Farm Markt, der jeden Samstag Vormittag stattfindet. Der Markt fällt etwas klein aus, ich gönne mir aber als Frühstück einen frisch gepressten Saft aus verschiedenen saisonalen Früchten und kaufe zwei Bio-Zwiebeln (Wow! Später dann die Auflösung dazu). Danach stand ein Ausflug in die Vergangenheit an. Im 2004/05 habe ich mit meinem damaligen Freund Andy in Leederville während 4 1/2 Monate in einer kleinen, aber gemütlichen 1 1/2-Zimmer-Wohnung gewohnt. Ich wanderte also von East Perth nach Leederville in mein altes Quartier. Der etwas öde Ziegelstein-Wohnblock steht immer noch - der Fish & Chips Laden gleich daneben existiert jedoch nicht mehr.

Ich laufe weiter zur Café-, Restaurant- und Laden-Strasse .... wow, die Strasse ist noch lebendiger als vor 15 Jahren und ein einladenderes Restaurant nach dem anderen präsentiert sich und der tolle Frisch-Fisch-Laden Kailis ist immer noch so populär wie damals. Ich entscheide mich für acht scharfe Thun-Fisch-Sushis (zum überraschend sehr tiefen Preis von AUD 7.50 (ca. CHF 5.-/ca. EUR 4.50)), die ich vor dem Restaurant an einem erhöhten Tisch geniesse. Hier habe ich die beste Aussicht um Leute zu beobachten. Ich laufe auf der anderen Strassenseite zurück und entdecke einen kleinen asiatischen Beauty-Salon und gönne mir kurzentschlossen eine Pedicure - schliesslich werden meine Füsse für die nächsten vier Monate meistens frische Luft sehen und somit sollten die auch anständig aussehen. Mit frisch lackierten Zehennägeln geht es mit dem Zug zurück in die Stadt zu meiner Wohnung, wo ich das Abendessen vorbereiten möchte, schliesslich ist hoher Besuch angesagt: Lorraine und Phil werden mich in meinen Gemächern besuchen. Den kleinen Tisch aus der Küche verfrachtete ich auf den Balkon, so dass wir draussen essen können. Auf der Speisekarte steht als Vorspeise Salat (Randen, Mais, Avocado (in Australien produziert)), als Hauptspeise gibt es feine Spaghetti Bolognaise (hier erhalten nun die zwei Bio-Zwiebeln ihre Daseins-Berechtigung) und zum Dessert war Wassermelone vorgesehen. Die Spaghetti-Sauce liess ich ganze 3 Stunden köcheln. Yammi! Ich erhielt für meine Kochkünste viel Lob - als Dessert genossen wir noch Tiramisu, das Lorraine von ihrem Lieblings-Italiener mitgebracht hat.

Wir unterhielten uns unter anderem über die massive Einwirkung vom Corona-Virus auf die Tourismus-Industrie im Generellen und im Speziellen auf das Geschäft hier in Perth. Lorraine ist davon direkt betroffen, da sie u.a. Bus-Ausflüge für chinesische Touristen organisiert. Die Gruppenreisen wurden alle storniert, da seit einer Woche Niemand mehr nach Australien einreisen darf, der sich in den letzten zwei Wochen in China aufhielt. Phua, das trifft so ziemlich auf alle Chinesen zu. Damit ist das Business um über 50 % eingebrochen und hinzukommt, dass auch die übrigen Touristen teilweise darunter leiden, da Ausflüge aufgrund zu wenig Teilnehmern storniert werden. Wir sind hin und her gerissen, ob da generell überreagiert wird oder ob der Reisestopp wirklich eine schreckliche Epidemie mit vielen Toten verhindern wird. Aber ist es nicht eigentlich nur eine Grippe? Irgendwie können wir es überhaupt nicht einschätzen.

Auf dem nach Hause Weg wird Phil noch von der Polizei für einen Alkohol-Test angehalten - zum Glück war alles in Ordnung.


Sonntag, 9. Februar - Weintour im Bickley Valley

Ich "plegerte" noch etwas im Bett herum ... zu lange ... Lorraine schreibt in richtiger Tour-Guide-Manier folgende Whats-App-Nachrichten:

Lorraine, 10.19 Uhr: "Good morning Ms Moser. Your pick up vehicle for your Bickley Valley wine tour is on it's way. Your driver today is Phil." (Guten Morgen Frau Moser. Ihr Abholfahrzeug zum Bickley-Tal zur Wein-Tour ist auf dem Weg zu Ihnen. Ihr Fahrer heute heisst Phil.)

Lorraine, 10.26 Uhr: "Your pick up vehicle is waiting." (Ihr Abholfahrzeug wartet.)

Ich, 10.29 Uhr: "I'm coming." (Ich komme.)

Lorraine, 10.29 Uhr: "No refund if we have to leave without you Ms Moser." (Es gibt kein Geld zurück, falls wir ohne Frau Moser losfahren müssen.)

Diese Konversation zeigt so gut den lustigen Humor von Lorraine auf. Wir fahren zu den Perth Hills, wo das Bickley Valley mit seinen Weingütern liegt. Wir besuchen insgesamt fünf Weingüter und von überall nahmen wir mindestens zwei Flaschen Wein mit. Bereits beim zweiten Weingut hat uns die Dame vor Ort eine Kiste, wo 15 Weinflaschen drin Platz haben, zur Verfügung gestellt. Sie meinte, sie habe das Gefühl, dass am Abend die Kiste voll sein wird ... und sie hatte sowas von recht. *grins* Beim Plume Estate Weingut nahmen wir das Mittagessen ein ... wow, die kalte Platte, die wir uns teilten, war wahnsinnig schön präsentiert und auch wahnsinnig fein.

Dann noch eine wunderschöne Aussicht auf das Weingut und gute Gesellschaft ... was will man mehr!

Wir fuhren noch ins alte Städtchen Guildford, wo es wunderschöne Holzhäuser mit Veranden rund ums Haus hat. Zudem gönnten wir uns im ältesten Pub von West-Australien "Rose & Grown" in der schönen Garten-Wirtschaft mit den alten Bäumen ein "Feierabend"-Bier, bei Live-Musik und umgeben von sehr alten Gemäuern.

Die Beiden bringen mich zurück zur Wohnung und senden mir danach dauernd Nachrichten, dass sie grad meinen Wein austrinken, den ich ihnen (blöderweise) überlassen habe, damit ich die Flaschen nicht noch bei meinen zwei bevorstehenden Umzügen mitschleppen muss. Die beiden sind einfach zum Kreischen lustig. Da haben sich zwei Richtige gefunden (übrigens über Onlinedating-Plattform).


Montag, 10. Februar - Beachtag

Heute ist endlich mal Beachtag angesagt. Ich laufe etwa 30 Minuten zum zentralen Busbahnhof. Wow, der befindet sich im Untergrund und ist angenehm klimatisiert. Die Fahrt bis Scarborough-Beach dauert knappe 30 Minuten und führt an verschiedenen Vororten mit abertausenden Einfamilienhäusern vorbei. Wohnblocks sind in Australien eher die Seltenheit ... Platz hat es ja in diesem Land mehr als genug. Nach dem ersten Blick auf den Strand mit dem goldenen Sand und dem klaren türkisblauen Wasser flippe ich innerlich fast aus - nach aussen mache ich natürlich einen coolen Eindruck (hahaha). Wooow, weshalb in die Karibik fliegen, wenn man auch nach Australien an einen wunderschönen Strand gehen kann? Naja, okay, der Flug dauert etwa doppelt so lang wie in die Karibik.

Jedenfalls war ich sehr positiv überrascht. Ich spaziere entlang vom Strand und beobachte die Surfer-Anfänger, die sich auf den relativ flachen Wellen versuchen. Schliesslich habe ich meinen perfekten Platz gefunden und lege mich an die Sonne. Ich gebe mir eine Sonnenstunde und nicht mehr, da ich ansonsten als übergrosser roter Krebs durchgehen würde und möchte ja schliesslichen den Meerestieren keinen Schreck einjagen. Ich habe mich natürlich vorbildlich eingecremt, doch Jemand der mir den Rücken einreibt, habe ich leider nicht gefunden und deshalb waren am Abend dann ein paar Stellen rot. Ojemine! Zum Abkühlen ging es ab ins Meer. Ich dachte mir: So ein bisschen eintauchen, also bis zu den Schultern, möchte ja nicht meine Haare im Salzwasser nass machen, da sie danach immer unkämmbar sind und für ein bisschen plantschen kann ich ja auch die Sonnenbrille tragen. Ich sage euch, die Wellen hatten es in sich. Nein, die Sonnenbrille habe ich (zum Glück) nicht verloren, aber ihr erratet es: meine Haare wurden pitschnass. Jedenfalls hatte ich viel Spass beim "Wellenhopsen" und man wurde regelrecht von der Kraft der Wellen mitgerissen.

Die Sonne brennt krass in Australien, heute sind es 33°, also platzierte ich mich schon bald beim Amphitheater unter das Sonnensegel und widmete mich meinem hochstehenden und absolut hyperspannenden Buch ...Liebesschnulze *grins*. Bevor ich mit dem Bus wieder zurück in die Stadt fuhr, wollte ich noch ein bisschen Scarborough auskundschaften; ging in den einen oder anderen Shop (kaufte nichts!) und bestaunte den grossen öffentlichen Swimmingpool direkt hinter dem Strand. Hier hin möchte ich unbedingt in den nächsten Tagen noch einmal zurück kehren. Uff, es tut so gut, im klimatisierten Bus platz zu nehmen.

Den sehr warmen Abend verbringe ich "zu Hause" auf dem Balkon mit lesen ... schliesslich möchte ich wissen, ob es ein HappyEnd gibt.


Dienstag, 11. Februar - Umzugstag

Der Umzug von der Wohnung in mein gemietetes Zimmer stand an. Zum Glück konnte ich es so arrangieren, dass ich um 10.45 Uhr aus der Wohnung ausziehen und ins Zimmer um 11.00 Uhr einziehen konnte. So musste ich nicht mit meinem Gepäck rumhängen. Apropos Gepäck ... mann-o-mann, da hat sich ja schon einiges an Ware angesammelt ... von wo kommt denn all das Zeugs her? Okay, hatte noch den halben Kühlschrank voll und schon das eine oder andere fürs Campen gekauft (u.a. Tupperware). Ich war also nun mit vier Gepäckstücken unterwegs und schleifte das ganze Zeugs die 500 m zum 29 stöckigen Gebäude. Der sympathische Glenn (Ü55, sportlich, Plaudertasche) nimmt mich vor dem Gebäude in Empfang und bringt mich in den 18. Stock (lustig, wieder 18. Stock - wie die soeben verlassene Wohnung) zu seiner Wohnung. Die Wohnung ist modern und geschmackvoll eingerichtet. Er zeigt mir mein ziemlich kleines Zimmer, aber ich bin ja eh nur zum Schlafen drin. Zudem habe ich mein eigenes Bad und von der Aussicht vom Balkon bin ich sehr begeistert: direkt auf den Fluss und den langezogenen Langley Park, der noch heute als Flugzeug-Landeplatz für besondere Anlässe (z.B. Red Bull Air Race) dient.

Ich gönnte mir einen Hängertag, den ich meist auf dem Balkon verbrachte. Jedenfalls bis mein Gastgeber Glenn von der Arbeit zurück kam (um 15.00 Uhr!). Er bot mir ein Glas Wein (dachte mir schon, dass ich hier richtig bin, als ich den Weinkühlschrank entdeckte) und dazu eine Käseplatte an. Wir unterhielten uns über dies und das, bis ich mich ready machen musste für das Abendessen mit Lorraine und Phil. Die Beiden kamen mich abholen und wollten mir ihren Lieblingsitaliener vorstellen. Wow, das ist ein sehr beliebter Schuppen ... die nehmen keine Reservationen an und verkaufen die Tische bis zu 4 pro Abend und es ist Dienstag! Wir mussten kurz auf unseren Tisch warten, während sich die meist asiatischen Gäste bereits ihre Mägen voll schlugen ... mit Muscheln. Das Restaurant ist weniger geeignet um miteinander Gespräche zu führen, da ziemlich laut, dafür sehr geeignet um Leute zu beobachten, vorallem war ich erstaunt über die riesigen Portionen und die vielen verschiedenen Gerichte, die pro Tisch bestellt wurden. Phil begleicht die Rechnung (als Revanche auf meine Einladung bei der Weintour) und wir begeben uns in die Wohnung von Lorraine, damit wir doch noch miteinander reden konnten. Auf ihrem Minibalkon haben zwar nur zwei Leute Platz - Lorraine setzt sich einfach auf einen Stuhl in der Wohnung und schiebt die Balkontür weit auf. Als Absacker wird noch ein feiner Limoncello von Lorraine serviert. Die Aussicht von Lorraines Balkon auf die Skyline von Perth ist sagenhaft! Die Beiden bringen mich mit dem Auto noch wohlbehalten nach Hause.


Mittwoch, 12. Februar - Parktag und schockierende Nachricht

Ich habe ziemlich schlecht geschlafen, so dass ich auch erst gegen 10.00 Uhr aufgestanden bin. Danach habe ich noch wie verrückt meine Flipflops gesucht, die ich doch gestern auf dem Balkon an hatte. Wie können die bloss verschwinden? Heute geht es in meinen Lieblingspark, den Kings-Park, der sich gleich auf der Anhöhe neben der Skyline befindet und damit eine wahnsinns Aussicht auf die Innenstadt und den Swan-River bietet. Ich laufe ca. 45 Minuten hin und schlendere durch den Park, bis ich einen geeigneten Platz finde, wo ich mein Badetuch im Schatten der Bäume ausbreiten und den Nachmittag mit lesen verbringen kann (es ist grad ein ziemliches hin und her zwischen den Protagonisten).

Im parkeigenen Shop ergattere ich noch herzige Holzohrstecker mit einem Schwan als Sujet, das Wappentier von Perth.

Mit dem Bus kehre ich in das Stadtzentrum zurück, da ich zum Abendessen mit Lorraine verabredet bin. Im Bus - als ich wieder WiFi-Verbindung hatte - erreichte mich dann folgende Nachricht: "Mami ist gestern beim joggen gestürzt, Arm gebrochen! Bitte telefoniere mir. Papi" Nein, nein, nein, bitte nicht ... hoffentlich ist es nur ein einfacher Bruch und Mami und Papi kommen halt einfach zwei Wochen später nach Australien. Ich rufe sofort an und meine Hoffnungen zerschlagen sich sofort. Ein Splitterbruch des Oberarmkopfes und zwei Sehnen abgerissen. Operation steht bevor, Regeneration mindestens 6 Monate. Ojemine, Papi war sehr traurig darüber und ich war noch in Schockstarre. Doch für mich war sofort klar: Mein Aufenthalt breche ich ab und wir versuchen die Reise im 2021 nachzuholen. Ich lief sofort ins Büro von Lorraine, wo sie auf mich wartete und dann übermannten mich meine Emotionen ... sie musste mich in die Arme nehmen und trösten. Wir haben uns so lange auf diese Reise gefreut und nun hat Mami 8 Tage vor dem Flug nach Perth so einen krassen Armbruch erlitten. Nach dem ich mich einigermassen beruhigt habe, sprach ich mit meiner Schwester Renate und sie versprach mir noch heute aus dem Zürcher Oberland zu Mami ins Spital nach Solothurn zu reisen, um sie zu unterstützen. Lorraine sagt die Restaurants-Reservation ab und lädt mich zu ihr nach Hause ein, wo ich bei einem Glas Wein versuche das ganze zu fassen. Lorraine bringt mich zwischendurch zum Lachen ... sie ist Weltmeisterin im Ablenken. Wir führen aber auch sehr gute tiefgreifende Gespräche. Als sie mich nach Hause fährt, geht es mir schon viel besser. Ich hoffe nun einfach, dass die Operation und danach der Heilungsprozess gut verläuft, damit wir die Reise im 2021 in Angriff nehmen können. Wenn dem so wäre, dann wäre es schlussendlich einfach eine blöde Geschichte gewesen, die aber nicht weiter tragisch ist. Die Operation ist auf Donnerstag angesetzt, denn dann habe der Arzt für die komplizierte Operation einen freien Kopf.

Glenn, mein Vermieter, ist noch auf und wir trinken zusammen auf dem Balkon noch eine Flasche Wein und sprechen über dies und das. Mit Mami und Renate spreche ich noch über Whatsapp inkl. Videoübertragung. Mann-o-mann, Mami ist von den Schmerzmedis so zugedröhnt, dass sie kaum einen normalen Satz sprechen kann und immer wieder einnickt. Sie sieht so richtig mitgenommen aus und klagt immer wieder über Schmerzen. Durch den hohen Alkohol-Verschleiss konnte ich trotz dem nicht gerade lustigen Telefongespräch kurz, aber intensiv schlafen.


Donnerstag, 13. Februar - Organisation Rückreise und Annullationen

Bereits um kurz nach 6 Uhr erwache ich und gehe kurz mein Programm von heute durch: Zum Camping-Bus-Vermieter und die Stornierung unserer 3-monatigen Reservation in die Wege leiten, Unterkunft in Fremantle annullieren und meinen Flug auf nächsten Dienstag umbuchen. Der Camping-Bus-Vermieter GoCamper befindet sich in Rockingham, eine halbe Stunde südlich von Perth. Rockingham erreiche ich mit dem Zug und danach laufe ich noch ca. 40 Minuten bis zum Standort. Natürlich hätte ich auch einfach anrufen oder schreiben können, aber ich wollte dies persönlich machen, auch weil GoCamper im bisherigen Mail-Verkehr einen super netten Eindruck gemacht hat.

Vom Bahnhof lief ich noch 45 Minuten bis zum Büro. June, die Cheffin von Go Camper, ist heute leider nicht im Büro. Aber der nette junge Mann nimmt meine Infos auf und verspricht, dass sich June bei mir meldet, um alles in die Wege zu leiten. Gemäss AGBs sind bei dieser kurzfristigen Absage 50 % fällig, die natürlich von der Versicherung abgedeckt werden. Ich durfte mir dann noch den VW T6 anschauen, den wir gemietet hätten. Einfach perfekt - sieht praktisch neu aus, guter Innenausbau, topsauber - wäre für unsere Reise genau das Richtige gewesen.

Zurück beim Bahnhof von Rockingham entschliesse ich mich den Bus nach Fremantle zu nehmen, so dass ich wenigstens - wenn auch nur für wenige Stunden - in diesem wundervollen Ort direkt am Meer war. Bei Ankunft mache ich zuerst einen Abstecher in den Lebensmittelladen Coles und hole mir danach bei einem Asiaten feine Sushis, die ich auf einer Bank esse und dem Strassenkünstler zuschaue, der endlos mit seinen Keulen jongliert und auf ein paar Batzen hofft (seine Hoffnungen waren begründet ... ich spendete ein paar Bazen). Ich bin etwas erstaunt, dass es sehr wenige Touristen hat, dafür umso mehr randständige Personen. Ich laufe durch die Strassen von diesem schönen Ort, entlang der alten Gebäuden mit den schönen Terrassen und Veranden. Gleich neben der alten Markthalle steht auch die AirBnB-Unterkunft, in der wir nach der Ankunft von MaPa (Kurzform man Mami und Papi) gehaust hätten. Wow, einfach wunderschön! Ein Gebäude aus dem Jahr 1850 (und das ist sehr, sehr alt für australische Verhältnisse), das gemäss den Bildern auch innen wunderschön eingerichtet ist. Vielleicht ein andermal ...

Ich begebe mich danach Richtung Strand, wo ich das Round House, das älteste Haus von Westaustralien aus dem Jahre 1830, besuche. Dann noch Richtung Bathers Beach, wo grad eine Outdoor-Kunstausstellung vorbereitet wurde. Wenn ich schon mal da bin, blicke ich auch noch kurz in die Little Creatures Bierbrauerei, die mir Helen (danke für den Tipp) wärmstens ans Herz gelegt hat ... für ein Bier bin ich jedoch nicht in Stimmung, deshalb mache ich einfach nur ein paar Fotos.

Danach geht es mit dem Zug zurück ins Zentrum von Perth. Den Abend verbringe ich auf dem Balkon und geniesse die Ruhe ... bis Lorraine mich per Whatsapp auffordert, zur ihr und Phil bei einem Restaurant ganz in der Nähe hinzuzustossen. Warum nicht ... nette Gesellschaft und Ablenkung tut mir gut. Ich plaudere mit ihnen und geniesse den warmen Abend auf der Restaurant-Terrasse um so mehr, als ich per Kurznachricht die Info erhalten habe, dass die Operation von Mami gut verlaufen ist. Zum Glück! Jetzt bin ich etwas beruhigter. Am Ende des Abends verabschiede ich mich von Phil, den ich bis zu meiner Abreise am Dienstag nicht mehr sehen werde.


Freitag, 14. Februar - Besuch aus der Schweiz und High Tea

Was für ein Zufall - Paul aus meinem Dorf - weilt gleichzeitig in Perth. Er besucht seine ausgewanderte Schwester während drei Wochen in der Nähe von Albany, verbringt aber zuerst ein paar Tage in Kalamunda, ein Vorort von Perth. Da müssen wir uns doch treffen! Gesagt, getan - er wohnt bei einer Kollegin etwas ausserhalb von Perth - da sie einen Termin in Perth hat, nimmt er die Gelegenheit war und wir treffen uns am Elisabeth Quai zu einem Kaffee resp. Saft (da ich ja keinen Kaffee trinke). Leider kann ich nicht allzulange bleiben, da mich Lorraine an ihrem freien Tag "ausführt" (Valentinstag! :-)). Paul und ich verabreden uns für den nächsten Tag - Beachtag steht auf dem Programm.

Lorraine holt mich ab und fährt uns zum Chinta Café. Wow, was für ein wunderschönes Ambiente in dieser alten Industriehalle. Alles wurde liebevoll dekoriert und wir werden an einen kleinen Tisch am Rande des Restaurants platziert - wir wähnen uns fast wie in der Provence. Lorraine hat für High Tea reserviert, d.h. uns wird Tee und auf einer dreistöckigen Etagère Salziges und Süsses serviert. Wir geniessen während über zwei Stunden die Leckereien, beobachten andere Restaurant-Besucher (eine unserer Lieblingsbeschäftigungen) und unterhalten uns. Lorraine bringt mir zudem bei, wie man aus einer Stoffserviette zwei Brüste "bastelt" ... falls Jemand an dieser essentiellen Falttechnik interessiert ist ... ich zeige es gerne bei unserem nächsten Treffen (also ein sehr guter Grund um mit mir abzumachen).

Heute ist es wiedermal besonders heiss, so entschliessen wir uns am Strand von North Cottesloe Beach abzukühlen. Oh, das "kühle" Wasser tut so gut. Wir lassen uns ein wenig im Salzwasser treiben. Danach lassen wir uns ca. 30 Minuten die Sonne auf den Pelz scheinen, bevor wir uns in den Schatten einer Restaurant-Terrasse verziehen, damit wir uns nicht verbrennen. Wir geniessen einen Drink resp. ein Shandy (Panaché) und geniessen den Ausblick auf das Meer. Das Leben ist schön!

Ich bin froh, dass ich den heutigen Abend zu Hause verbringen kann ... ich bin von den letzten Tagen ziemlich müde und möchte ein paar ruhige Stunden verbringen. Glenn ist zu Hause und wie immer plaudern wir und schlussendlich entscheiden wir uns für ein Barbecue auf dem Balkon. Ich bin für den Salat zuständig, Glenn für den Grill. Den warmen Abend geniessen wir auf dem Balkon, wo er mir u.a. von seinem tollen Cayman Porsche und seiner schnittigen Harley erzählt.


Samstag, 15. Februar - gemütlich in Perth unterwegs

Als ich die Lamellen-Storen hochziehe, traute ich meinen Augen nicht: Grauer bedeckter Himmel ... sieht aus wie ein trüber Herbsttag in der Schweiz. Tja, heute war eigentlich Beach angesagt, aber das sieht eher nicht danach aus. Paul kommt mich mit seinem gemieteten Subaru abholen. Ich "klebe" auf das Auto das Magnet-Werbeschild, das ich hier in Australien gestaltet und habe machen lassen. Hätte sich gut gemacht auf unserem gemieteten Campervan; nun verbringt halt das Schild einen Tag auf einem "fremden" Auto, so dass es wenigstens einmal zum Einsatz kam.

Wir fuhren hinaus zum North Beach, wo wir uns im populären Strandcafé Yelo einnisteten und uns mit Café und Saft versorgten und die Aussicht auf das trübe Meer und das Meeresrauschen genossen. Als es dann ziemlich stark nieselte, begaben wir uns ins Innere des Restaurants.

Ich wollte mir unbedingt noch das schöne ehrwürdige Indiana Teahouse anschauen, doch leider sieht es so aus als würde sich Niemand mehr darum kümmern. Es ist völlig heruntergekommen. Zu schade um das charaktervolle Gebäude direkt am Strand, das im 1910 gebaut wurde. Ich habe inzwischen gelesen, dass es sogar abgerissen werden soll. Ojemine!

Entlang der Küste fahren wir nach Fremantle um in der Little Creatures Brauerei doch noch ein Bier zu trinken (Helen, kann verstehen, dass du einen Teil deiner Seele hier gelassen hast). Leider mussten wir auch hier aufgrund des Regens von der Terrasse ins Innere wechseln. Gegend Abend wollten wir in der Stadt was essen gehen und machten uns auf in "meine" Wohnung um die Kleider zu wechseln. Die beiden Motorrad-Fans Glenn und Paul sind sofort in ein Gespräch vertieft. Von Glenn holten wir uns noch ein paar Tipps, wo wir ein Abendessen mit Aussicht geniessen könnten. Ich habe auch noch ein paar Tipps aus dem Reiseführer Lonely Planet herausgesucht und haben uns für ein Topfloor-Restaurant im Business-Quartier entschieden ... mit dem Gratis-Bus fuhren wir ins Zentrum zu den vielen Wolkenkratzern. Am Ziel angekommen, stellte sich heraus, dass das Restaurant sich zwar schon auf dem Topflor (obersten Stock) befindet, das Gebäude aber gerade mal drei Stöcke hat ... nicht gerade das, was wir uns vorgestellt haben: Null Aussicht. Also fragten wir den Security-Mensch, der uns den Tipp vom C-Restaurant gab (habe zuerst "Sea", dann "See" und erst dann "C" verstanden - alle drei Wörter spricht man auf Englisch genau gleich aus). Das C-Restaurant war genau unser Ding. Es befindet sich im 33 Stock und bietet einen super Ausblick auf die beleuchtete Stadt. Es standen drei Frauen am Empfang. Zwei begutachteten uns von oben nach unten und empfanden uns als wohl zu wenig genehm gekleidet und verneinten sofort die Frage, ob es für uns noch einen freien Tisch hat. Die Dritte meinte dann, es lasse sich sicher noch einen Tisch finden. Aha ... das Restaurant ist ja zu mindestens einem Viertel leer. Man zeigte uns vorher noch die Speisekarte, da es nicht gerade günstig ist und man wollte sicher gehen, dass wir uns dies auch leisten können. Okay, wir bleiben also und erhalten einen Tisch direkt an der Fensterfront - zwar leider zur Rückseite hin und nicht gegen den Fluss. Als ich die Jacke von Paul auf der Fensterbank platzieren wollte, kommt mir der Fensterrahmen entgegen. Hallo, was ist denn hier los? Achso, das ist ja sogar noch ein Drehrestaurant - also hatten wir die Flusssicht nach ungefähr einer Stunde. Das Essen wurde sehr schön präsentiert und wir genossen unser Fischmenü. Auf dem Heimweg machten wir noch einen Abstecher ans Perth Festival, wo eine komische Elektro-Band spielte. Wir hörten von gemütlichen Stühlen der Musik zu und liessen den Abend ausklingen. Paul begleitete mich noch bis zu "meinem" Hochhaus und machte sich dann auf den Weg zu seinem temporären zu Hause in Kalamunda. Auf dem Weg zu seinem Auto machte er noch einen Zwischenhalt in einem Pub, wo gerade Live-Musik gespielt wurde. Er munterte mich auf auch noch vorbei zukommen. Ich war jedoch ziemlich müde und zudem befürchtete ich, dass ich noch zum Tanzen aufgefordert werde, da Paul als bester Tänzer in unserem Dorf gilt und wenn ich eines nicht kann, dann ist es Paartanz. Sorry, Paul! ;-)


Sonntag, 16. Februar - gemütlicher Tag und Essens-Wagen (Food-Trucks)

Am Vormittag hänge ich einfach etwas herum bis Glenn von der Garage zurück in die Wohnung kommt und vorschlägt, dass wir auf eine kurze Spritztour mit seinem Porsche gehen. Klar, da bin ich doch dabei. Auf der Fahrt erzählt er mir, dass er ab und zu auch auf die Rennstrecke geht, um die PS-Starke Maschine zu kitzeln.

Am Nachmittag laufe ich noch kurz in die Stadt um Picknick-Nahrung für den morgigen Tag einzukaufen. Am Abend laufe ich wieder zu Lorraine (etwas über eine Stunde) um mit ihr und ihrer Schwester im Park bei den Food-Trucks essen zu gehen. Lorraines Schwester schaffte es jedoch nicht, da sie einen harten Arbeitstag hatte. Dafür war Phil da! Wir setzen uns wieder direkt an den Fluss und geniessen bei einem Glas Wein die Aussicht auf die beleuchtete Skyline.

Phil bringt mich nach Hause und wir verabschieden uns erneut, jedoch nicht bevor ich ihm gesagt habe, dass ich es einfach super finde, dass sich Phil und Lorraine getroffen haben und sie ein super Paar abgeben.


Montag, 17. Februar - Rottnest Island

Bereits um 06.30 Uhr ging der Wecker ab. Heute geht es mit Paul auf die Rottnest Island. Er holt mich mit dem Auto ab und dann geht es via zweispurigen Hauptstrassen nach Fremantle zur Fähre. Das Auto lassen wir risikobereit auf dem Parkplatz, wo eigentlich nur vier Stunden geparkt werden darf. Mit der Fähre geht es während 35 Minuten über die schwankende See zur Insel. Die autofreie Insel kann mit dem Fahrrad oder dem Hop-on-hop-off-Bus erkundet werden. Wir entscheiden uns für die weniger anstrengende Version und lösen ein Busticket. Mit dem Bus fahren wir zu einem Strand, wo wir auf einem Felsen unser Badetuch ausbreiten und einen Teil unseres Picknick schnausen. Entlang der Küste laufen wir bis zum nächsten Strand, der noch schöner ist als der vorherige. Mit dem Bus dann bis zur Küste, wo sich die Seelöwen im Meer tummeln. Einer ist besonders nahe, der immer wieder seine Flosse zur Schau stellt. Auf der Fahrt zum kleinen Ferienort Geordie Bay fragte ich den Buschauffeur, wo man die Quokkas, Mini-Kängurus, sehen kann. Vorne beim Hauptort, wo die Fähren ankommen. Aha, dann hoffen wir mal, dass wir dort tatsächlich ein paar sehen. Wir setzen uns ins Kaffee und plötzlich befinden sich zwei Quokkas unter unserem Tisch. Ein Mutter mit ihrem Kleinen. Jöööh, die sind ja mega herzig. Wir laufen weiter zum Pinky Beach, wo wir endlich unser erfrischendes Bad im Meer nehmen. Ein wunderbarer Sandstrand, klares Wasser, Sonnenschein ... am Ende des Strandes ragt ein alter Leuchtturm empor. Sehr pitoresk! was will man mehr. Plötzlich höre ich Aufschreie am Strand: Ein Seehund ist an den Strand gekommen, keine 3 m von sonnenbadenden Touristen. Nein, wie cool ist das denn! Im Pinky's Beach Club nehmen wir noch eine kühles Blondes bevor wir zurück zum Hauptort Thomson Bay laufen, wo wir noch ein paar weitere Quokkas sehen. Mit der Fähre geht es wieder zurück aufs Festland. Ui, das war wieder ein wilder Ritt auf den hohen Wellen - mein Magen fand das nicht so lustig. Und oh schreck, zurück beim Auto haben wir doch tatsächlich eine Busse! Blöd! Paul bringt mich zurück in die Stadt und wir verabschieden uns. Danke, Paul, für die zwei wunderschönen Ausflüge und die spannenden Gespräche.

Ich bin ziemlich müde, doch ich habe mit Lorraine noch für ein letztes Abendessen abgemacht. Es geht zum Inder im Quartier Leederville. Das Essen ist hervorragend, doch ich könnte meinen Kopf auf die Tischplatte ablegen und gleich einschlafen. Deshalb wird es ein relativ kurzes Intermezzo und Lorraine bringt mich wieder zurück zur Wohnung.

Glenn hat sich auf dem Sofa gemütlich gemacht und ich spreche noch kurz mit ihm wegen meinem Auszug morgen. Dann meint er, lass uns mit der Harley noch auf eine kurze Rundfahrt gehen. Ich bin zwar todmüde, aber mit einer Harley war ich noch nie unterwegs - diese Chance kann ich mir nicht entgehen lassen. Also, Jeanshose und die Wanderschuhe anziehen und dann geht es ab auf den Töff und auf eine ca. 45 Minutige Fahrt. Wow, das hat so richtig Spass gemacht und war ein super Abschluss für meinen Aufenthalt in Australien.


Dienstag, 18. Februar - Abschied mit schwerem Herzen

Mein letzter Tag in Perth. Ich habe noch meine dreckige Wäsche gewaschen, damit ich zu Hause nichts mehr machen muss. Danach bin ich mit dem Bus noch einmal ins Restaurant Chinta gefahren um einen Gutschein für Lorraine zu holen. Sie war eine tolle Freundin während den letzten zwei Wochen und ich möchte ihr eine Freude mit einem Gutschein von ihrem aktuellen Lieblingsrestaurant machen. Als ich über den Postplatz im Zentrum von Perth laufe überkommt mich Wehmut ... ich werde schweren Herzens aus Perth abreisen. Ich fühle mich hier einfach so wohl ... wenn nicht einige sehr gewichtige Gründe dagegensprechen (Familie, Freunde, Job usw.), dann würde ich nach Perth auswandern. Als ich gegen Mittag zurück in der Wohnung bin, erwartet mich Glenn bereits. Er wollte mich verabschieden und wir umarmen uns. Ich hatte nicht nur eine fantastische Unterkunft, sondern habe auch noch einen wunderbaren Freund dazu gewonnen. Thanks, Glenn!

Erleichtert kann ich doch tatsächlich noch den Koffer schliessen - habe doch das eine oder andere gekauft. Bevor ich die Wohnung verlasse, habe ich noch einmal nach meinen vermissten Flipflops Ausschau gehalten. Unter dem Bett, unter dem Sofa, unter dem Tagesbett auf dem Balkon ... nirgendwo sind sie auffindbar. Habe ich sie ev. doch in der vorherigen Wohnung vergessen? Sehr komische Geschichte.

Lorraine hat extra ihre Schicht getauscht, damit sie mich auf den Flughafen bringen kann. Wie lieb ist das denn? Wir fahren ca. 30 Minuten zum Flughafen. Auf dem Parkplatz stopfen wir noch zwei Weinflaschen, die noch übrig von der Weintour sind (den restlichen Wein haben wir partnerschaftlich bereits getrunken), in den Koffer. Beim Check-in trifft mich fast der Schlag: da ist eine riesige Schülergruppe aus Japan beim Check-in - alle in Schüleruniform. Zum Glück werde ich dann vom Check-in-Personal aus der Warteschlange (übrigens, die einzige Schlange, die ich in Australien gesehen habe :-)) gezogen und darf an einem der Schalter mein Gepäck übergeben. Ui, 23.7 kg - eigentlich wären nur 23 kg erlaubt. Die nette Frau übersieht das gefliessentlich, hängt noch einen Zettel dran "Achtung, schwerer Koffer". Vor der Passkontrolle verabschieden wir uns ... ich kann es nur wiederholen: Lorraine ist eine tolle Frau und Freundin. Wir umarmen uns mehrmals, bevor ich dann hinter der Wand verschwinde. Beim Gate dann die Gewissheit - das Flugzeug wird mit über 200 japanischen Schülern gefüllt - es sind nur etwa 20 weitere Reisende an Bord. Der Flug ist wie in einem Schüttelbecher ... es rüttelt immer wieder. In Singapur muss ich dann über zwei Stunden auf den Anschlussflug mit dem A380 warten.


Mittwoch, 19. Februar - zu Hause bei MaPa

Der A380 war nicht ganz voll und ich hatte das unfassbare Glück gleich drei Sitze für mich zu haben. Innerlich machte ich einen Purzelbaum. Ich legte eine Decke auf die drei Sitze aus, stapelte die drei Kissen, streckte mich über die drei Sitze aus, deckte mich mit zwei Decken zu und schon konnte der 9 1/2-stündige Schlaf beginnen. Wow, was für ein angenehmer Flug. Die letzten 3 1/2 Stunden verbrachte ich mit Filme schauen und schon war ich zurück in Zürich. Nach zwei Wochen bin ich wieder da! Mit dem Zug geht es ab nach Hause, grosser Koffer auspacken und grad alles versorgen und nach einer Stunde sieht es so aus als wäre ich nie weg gewesen, kleiner Koffer mit Winterkleider packen, mein Autokennzeichen wieder ans Auto (das mir vom Verkehrsamt umgehend wieder zurück geschickt wurde) "mechen" und ab zu MaPa. Hallo, da bin ich wieder! Mami sieht schon viel besser aus, wenn es auch ein langer Weg zur vollständigen Genesung ist. Der Oberarmkopfbruch wird von ungefähr 10 Schrauben und einer Platte zusammengehalten, die zwei Sehnen sind wieder angenäht. Der Bruch ist nicht unbedingt das Problem, jedoch die Sehnen. Diese müssen unbedingt wieder anwachsen, ansonsten droht die Gefahr einer weiteren grossen Operation und ein künstliches Gelenk müsste eingesetzt werden. Hoffentlich geht alles gut! Drückt uns die Daumen!


P.S. Übrigens, einer meiner Flipflops hat Glenn nach meiner Abreise doch tatsächlich gefunden und zwar hinter dem Tagesbett auf dem Balkon. Der Zweite ist immer noch verschollen ...


Fortsetzung vielleicht im 2021 ...


Unser Pechvogel und zwei andere lustige Vögel :-)

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